| Herr Gröning, was ist die „Offene
Bühne"?
Heinz Gröning:
Unser Programm ruht auf mehreren Säulen: Zum einen bieten wir Comedy-Profis
an, neue Nummern vor Publikum auszuprobieren. Denn es ist gar nicht so
einfach zu sagen, ob ein Gag funktioniert oder nicht. Kollegen, die es
sich nicht erlauben können, dass so eine Nummer schiefgeht, probieren
das bei der „Offenen Bühne" halt noch mal schnell aus und können
anschließend sicher sein. So manche Berühmtheit, die heute im
Radio und Fernsehen auftritt, wie zum Beispiel Markus Maria Profitlich
oder Bastian Pastewka, hat bei uns ihre Versuchsballons steigen lassen.
Und die zweite Säule?
Gröning:
Wir bieten Talenten eine Chance. Es kann also auch sein, dass ein absoluter
Newcomer vors Publikum tritt, der zum ersten Mal auf einer Bühne steht
und seine Erfahrungen sammeln möchte. Meine eigene Erfahrung ist es
gewesen, gerade am Anfang: Wenn man nicht auftreten kann, wird man nicht
besser. Und wenn man nicht besser wird, darf man nirgendwo auftreten. Diesen
Teufelskreis wollen wir durchbrechen.
Seit wann gibt es die „Offene Bühne"?
Gröning:
Seit sechs Jahren. Anfang Januar hatten wir die 200. Vorstellung. Wir sind
heute ein Team von fünf, sechs Leuten.
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Gröning:
Ich bin eigentlich Arzt, habe aber während des Studiums schon Straßentheater
gemacht. Das war zunächst eine Art Abi-Gag gewesen, aber dann wurde
das ziemlich professionell. Wir haben uns auf diesem Weg das Geld für
den Luxus verdient, um es mal so zu formulieren. Nach dem Studium habe
ich
dann irgendwann alleine weiter gemacht
und gemerkt, dass das für mich die größere Berufung ist
als die zum Arzt, und seit fünf Jahren bin ich professioneller Comedian.
Die „Offene Bühne" ist da mehr das Hobby, das sich zufällig mit
dem Beruf deckt.
Ihre ständige Rolle als Comedian
ist der „unglaubliche Heinz" - ein zweites Ich oder eine Kontrastfigur?
Gröning: Sie
kommt schon aus meinem normalen Leben, ist aber viel schriller, bunter.
Dieser Teil meiner Persönlichkeit ist dann irgendwann zur Bühnenfigur
geworden. Als ich zum ersten Mal in dieser Rolle aufgetreten bin, war sie
ein Teil von mir. Aber im Lauf der Zeit hat sie ihr Eigenleben entwickelt.
Es sind spezifische Eigenschaften dazu gekommen, die bei mir selbst vielleicht
etwas schwächer ausgeprägt sind. Heute bin ich auf der Bühne
natürlich immer noch irgendwie Ich, aber nicht mehr wirklich. Es ist
schon eine Verwandlung zu einer anderen Persönlichkeit hin.
Wie funktioniert der Übergang?
Gröning: Das ist wie ein Schalter.
Wenn ich die Klamotten anhabe und auf die
Bühne trete, ist der Schalter umgelegt. Das geht eigentlich ganz
einfach; ich kann
es gar nicht anders beschreiben. Und obwohl - wie gesagt - manche meiner
Cha-
raktereigenschaften nur verstärkt, andere gemindert werden, kommt
am Ende
eine andere Persönlichkeit heraus.
Glauben Sie, dass Sie sich in jede beliebige
Figur verwandeln könnten?
Gröning:
Nicht jede beliebige. Aber mit meinem Duo-Partner, mit dem ich in ganz
Deutschland unterwegs bin, spiele ich viele verschiedene Rollen. Das macht
schon Spaß. Allerdings ist Comedy nicht unbedingt mit Schauspielerei
im klassischen Sinn gleichzusetzen, weil Comedy von überzeichneten
Figuren lebt.
Also keine Identifikation mit der Rolle?
Gröning:
Na ja, schauspielerisch betrachtet, muss man die Rolle schon fühlen.
Aber solche überzeich- neten Figuren existieren eben nicht real. Sondern
sie nehmen ihren Ausgangspunkt bei realen Personen, deren Eigenschaften
ein bisschen weiter gedreht werden, damit sie witzig werden.
Buchungen für die
„Offene Bühne Köln" und das „Wohnzimmertheater" unter
Tel. 9130868. Das Theater
hat ca. 90 Plätze.
Vorstellungen in der
Regel täglich außer montags und dienstags. |