zurück zur Übersicht
 
"Ich lege 
einfach einen Schalter um"
von Heinz Gröning und Joachim Frank
 
 
Heinz Gröning (36) leitet die 
"Offene Bühne Köln", die sonntags 
um 20 Uhr im „Wohnzimmertheater" (Probsteigasse 21, 
ganz in der Nähe unserer Kirche) auftritt. Joachim Frank sprach mit dem Comedian über seine Arbeit und über die Verwand- lung des Schauspielers auf der Bühne.
 
Herr Gröning, was ist die „Offene Bühne"?

Heinz Gröning: Unser Programm ruht auf mehreren Säulen: Zum einen bieten wir Comedy-Profis an, neue Nummern vor Publikum auszuprobieren. Denn es ist gar nicht so einfach zu sagen, ob ein Gag funktioniert oder nicht. Kollegen, die es sich nicht erlauben können, dass so eine Nummer schiefgeht, probieren das bei der „Offenen Bühne" halt noch mal schnell aus und können anschließend sicher sein. So manche Berühmtheit, die heute im Radio und Fernsehen auftritt, wie zum Beispiel Markus Maria Profitlich oder Bastian Pastewka, hat bei uns ihre Versuchsballons steigen lassen.

Und die zweite Säule?

Gröning: Wir bieten Talenten eine Chance. Es kann also auch sein, dass ein absoluter Newcomer vors Publikum tritt, der zum ersten Mal auf einer Bühne steht und seine Erfahrungen sammeln möchte. Meine eigene Erfahrung ist es gewesen, gerade am Anfang: Wenn man nicht auftreten kann, wird man nicht besser. Und wenn man nicht besser wird, darf man nirgendwo auftreten. Diesen Teufelskreis wollen wir durchbrechen. 

Seit wann gibt es die „Offene Bühne"?

Gröning: Seit sechs Jahren. Anfang Januar hatten wir die 200. Vorstellung. Wir sind heute ein Team von fünf, sechs Leuten.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Gröning: Ich bin eigentlich Arzt, habe aber während des Studiums schon Straßentheater gemacht. Das war zunächst eine Art Abi-Gag gewesen, aber dann wurde das ziemlich professionell. Wir haben uns auf diesem Weg das Geld für den Luxus verdient, um es mal so zu formulieren. Nach dem Studium habe ich 
dann irgendwann alleine weiter gemacht und gemerkt, dass das für mich die größere Berufung ist als die zum Arzt, und seit fünf Jahren bin ich professioneller Comedian. Die „Offene Bühne" ist da mehr das Hobby, das sich zufällig mit dem Beruf deckt.

Ihre ständige Rolle als Comedian ist der „unglaubliche Heinz" - ein zweites Ich oder eine Kontrastfigur?

Gröning: Sie kommt schon aus meinem normalen Leben, ist aber viel schriller, bunter. Dieser Teil meiner Persönlichkeit ist dann irgendwann zur Bühnenfigur geworden. Als ich zum ersten Mal in dieser Rolle aufgetreten bin, war sie ein Teil von mir. Aber im Lauf der Zeit hat sie ihr Eigenleben entwickelt. Es sind spezifische Eigenschaften dazu gekommen, die bei mir selbst vielleicht etwas schwächer ausgeprägt sind. Heute bin ich auf der Bühne natürlich immer noch irgendwie Ich, aber nicht mehr wirklich. Es ist schon eine Verwandlung zu einer anderen Persönlichkeit hin.

Wie funktioniert der Übergang?

Gröning: Das ist wie ein Schalter. Wenn ich die Klamotten anhabe und auf die 
Bühne trete, ist der Schalter umgelegt. Das geht eigentlich ganz einfach; ich kann 
es gar nicht anders beschreiben. Und obwohl - wie gesagt - manche meiner Cha- 
raktereigenschaften nur verstärkt, andere gemindert werden, kommt am Ende 
eine andere Persönlichkeit heraus.

Glauben Sie, dass Sie sich in jede beliebige Figur verwandeln könnten?

Gröning: Nicht jede beliebige. Aber mit meinem Duo-Partner, mit dem ich in ganz Deutschland unterwegs bin, spiele ich viele verschiedene Rollen. Das macht schon Spaß. Allerdings ist Comedy nicht unbedingt mit Schauspielerei im klassischen Sinn gleichzusetzen, weil Comedy von überzeichneten Figuren lebt.

Also keine Identifikation mit der Rolle?

Gröning: Na ja, schauspielerisch betrachtet, muss man die Rolle schon fühlen. Aber solche überzeich- neten Figuren existieren eben nicht real. Sondern sie nehmen ihren Ausgangspunkt bei realen Personen, deren Eigenschaften ein bisschen weiter gedreht werden, damit sie witzig werden.

Buchungen für die „Offene Bühne Köln" und das „Wohnzimmertheater" unter 
Tel. 9130868. Das Theater hat ca. 90 Plätze. 
Vorstellungen in der Regel täglich  außer montags und dienstags.

zurück zur  Übersicht.zur Übersicht Startseite  nächstes Themavorwärts zu:  Pfarrgemeinderat.