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Metamorphose
von Isolde Rexa

Samstagnachmittag. Langsam zog die grau - melancholisch winterliche Dämmerung in meine Küche ein. Der Musikredakteur meines Lieblingssenders tat sein Bestes, um der Abwaschverpflichtung den nötigen Schwung zu verleihen. Meine Hände griffen nach Tellern, Besteck und den Handtüchern, und die Augen wanderten wie gewohnt hin zum Dom. Und zum Haus gegenüber. Ungefähr 50 m entfernt.

In der oberen Etage hatte ich am Vormittag Handwerker bei der Arbeit gesehen. 
Neue Mieter, neue Tapeten - wahrscheinlich. Nun waren die Lichter erloschen. 
Aber ich erkannte eine Gestalt, die sich mit den Ellbogen auf die Fensterbank stützte und ein Fernglas in der Hand hielt!?
Dieser Unbekannte starrte geradewegs zu meinen Fenstern.

Unbehagen machte sich in mir breit. Hatte ich mich getäuscht oder spähte da tatsächlich jemand die Nachbarwohnungen aus?

Die Dämmerung vollzog inzwischen den letzten Schritt hinein ins nächtliche Dunkel.
Mit dem Fernglas in der Hand suchte ich einen passenden Winkel. ( Ich wollte schließlich nicht von diesem seltsamen Gegenüber entdeckt werden!), um meinerseits das Haus ins Visier zu nehmen. 
Immer noch machte ich ganz verschwommen die Gestalt am Fenster aus. Meine Beklommenheit wollte nicht weichen. Aber mein Verstand verlangte unmissverständlich die Sache bei Licht zu betrachten, sie ergo bis zum nächsten Morgen auf sich beruhen zu lassen.

Und was sah ich nach dem Aufstehen? Die obere Hälfte einer nahe am Fenster stehenden Trittleiter! 
In der Tat: sie ähnelte durchaus einem dort sitzenden, sich mit dem Ellbogen abstützenden Menschen.

Ich lachte leise und schämte mich ein bisschen. Ein richtiges Sonntagsthema: Die Verwandlung von Irrtümern in Erkenntnisse. Passende Lektüre fiel mir gleich ein und ich machte mich auf die Suche. Wo stand denn noch das Buch von Watzlawick  „Anleitung zum Unglücklichsein?" 
Es gibt darin eine Geschichte mit dem Hammer...

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