Leid
und Tod als Weg der Verwandlung
von
Karl-Josef Daverkausen
Tiefe Verwandlung geschieht immer dann,
wenn ich selbst ohnmächtig bin, wenn ich nichts mehr tun kann, sondern
einfach aushalten muss, was mir widerfährt. „Was Gnade ist und wie
Gnade mich verwandeln kann, das erkenne ich erst, wenn ich nicht mehr weiter
kann, wenn ich hilflos am Boden liege und eingestehen muss, dass ich mich
nie ändern oder verbessern werde. Die Erfahrung der Ohnmacht ist die
Voraussetzung meiner tiefsten Verwandlung" -
schreibt Anselm Grün.
Ja, es ist so, wenn ich Gott meine leeren
Hände hinhalte, kann er sie füllen. Nicht mein Tun wandelt mich,
sondern Gott verwandelt mich, wenn ich mit meinem Tun an eine Grenze komme.
Alle Krisen, die wir zu durchleben haben, sind Erfahrung von Wandlung.
Dazu gehören auch die Krisen an den Wendepunkten des Lebens: die Pubertät,
die Lebensmitte, das Pensionierungs- alter und die letzte todbringende
Krankheit. In jeder dieser Krisen will Gott eine innere Wandlung bewirken.
Hermann Hesse spricht davon in seinem Gedicht „Stufen":
"Wie
jede Blüte welkt und jede Jugend
dem
Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht
jede Weisheit auch und jede Tugend
zu
ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es
muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit
zum Abschied sein und Neubeginne,
um
sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in
andre, neue Bindungen zu geben" |
Es geht letztlich darum, Altes loszulassen
und Neues zuzulassen. Aber viele Menschen wehren sich gegen Veränderung:
sie wollen die alten bleiben. Hesses Gedicht geht noch weiter:
„Es
wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns
neuen Räumen jung entgegenwenden,
des
Lebens Ruf an uns wird niemals enden..." |
Die tiefste Verwandlung, die uns erwartet,
wird der Tod sein. Da wird unser irdisches Leben in göttliches Leben
verwandelt. „Deinen Gläubigen wird das Leben gewandelt,
nicht genommen..."
So beten wir in der Präfation für
die Verstorbenen. Wenn wir alles aus der Hand geben, dann wird seine Hand
uns neu formen. Und ob wir viel oder wenig Verwandlung in unserem Leben
erfahren haben, im Tod wird alles, was zu uns gehört, in die verwandelnde
Kraft Gottes hinein-
genommen. Die Begegnung mit dem liebenden
Gott wird uns verwandeln; durch Gottes liebenden Blick werden wir in sein
eigenes Bild verwandelt. Was wir in unserem Glauben jetzt nur anfanghaft
erleben, das geschieht im Tod offen. Dann kommen all die Verwandlungen
unseres Lebens zum Ziel, dann vollzieht sich die große Verwandlung
in Gott hinein, nach der wir uns ein Leben lang gesehnt haben. Wie Paulus
können wir dann sagen: „Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten
wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren arm-
seligen Leib verwandeln wird in der Kraft,
mit der er sich alles unterwerfen kann."(Phil 3,20f) Dieses
Mysterium können wir nur ahnen. Aber wir dürfen für gewiss
halten:
„Was kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört und was in keines
Menschen Herz gedrungen
ist, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben".
(1Kor 2,9)
Mensch,
bleib
stehen
Die weißgetünchten
Baumstämme rahmen
den Platz ein
wohin du traumverloren
den Eingang
fandest -
Metamorphose
verbindet deine
bewusste Seele
mit der Tiefe deiner
Quelle heute -
die Glocke läutet
links im Baum
hängt sie und
klingt
nach - nach
Wandlung!
Mensch bleib -
bleib im Augenblick
-
stehen!
Waltraud
Weiß
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