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Grimms Märchen

105. Der Hirt

Es war einmal ein Hirt, der ging niemals zur Messe. Das hörte der Pfarrer, und er befahl ihm, 
in das Dorf hinunterzukommen. Und er führte ihn in die Kirche und sagte ihm, das sei der 
Tempel Gottes, und dahin solle er am nächsten Sonntag kommen, um die Messe zu hören. 
„Was hat die alte Frau da in der Hand?" fragte der Hirt den Pfarrer. 
„Einen Rosenkranz" 
„ Und wozu ist der?" 
„Um die Gebete zu ordnen."

Der Hirt stieg wieder auf die Alm und schnitt sich mit einem kleinen Messer einen Rosen- 
kranz aus Holz. Und am Sonntag ging er in die Kirche, hängte die Hirtentasche an einem 
Sonnenstrahl auf und kniete nieder. Und er begann den Rosenkranz abzubeten. 
„Geh du vorbei, geh die da vorbei, geh die andere vorbei, geh die dicke vorbei..." 
Natürlich, da er doch nicht beten konntet Die Messe war zu Ende, und der Hirt sagte zu 
dem Pfarrer:

„Wem gehörte denn das nackte Kind. das auf der Schale war, als Ihr sie hochhobt?" 
„Geh! Steig wieder auf die Alm du bist Gott näher als ich", antwortete ihm der Pfarrer. 
Und der Hirt ging fort. Und erging auf die Weide und hatte den Rosenkranz in der Hand:

„Geh du vorbei, geh die da vorbei, geh die andere vorbei, geh die dicke vorbei..." 
Und alle Vöglein, die auf der Alm waren, kamen ihm singend entgegen, um ihn zu begrüßen.

Wenn wir nicht mehr
leiden sagen,
sondern lernen
nicht mehr Unglück
sondern Wandlung
dann hat unsere Heilsgeschichte angefangen.

Martin GutI

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