Informationen zu Foto-Cox  Fotos: Maurice Cox

Die sich standhaft zu ihrem christlichen Glauben bekennenden Soldaten wurden an Ort und Stelle mit dem Schwert enthauptet.
Die Gebeine aber warf man in einen nahe gelegenen Brunnen, über demnach mittelalterlicher Überlieferung - die Kaiserin Helena den Gründungsbau der Kirche
St. Gereon errichtete.


Der Driesch und

der heilige Gereon


Seit dem 29. Januar befindet sich auf dem zur Kirche hin gelegenen Teil des Gereonsdriesch eine monumentale Steinskulptur des Künstler Iskender Yediler.


Der 1953 in Eskisehir/Türkei geborene Künstler hat Bildhauerei  an der Akademie in München und in Düsseldorf an der Staatlichen Kunstakademie bei Prof. Ulrich Rückriem studiert. Er lebt in Berlin als freischaffender Künstler und hat sich in den vergangenen Jahren in zahlreichen Arbeiten mit der christlichen Ikonographie beschäftigt.


Im Rheinland hat er sich intensiv mit dem Martyrium der “heiligen Ritter³ der Thebäischen Legion und ihrer Überlieferung und Legendenbildung auseinandergesetzt,
dessen ausführliche textliche Überlieferung um die erste Jahrtausendwende einsetzt.


 Dieses Martyrium, das in die Herrschaftsjahre des Kaisers Maximian (286-292) fällt, ist in der Verbreitung geradezu von europäischem Rang mit zentralem Ausgangspunkt im antiken Agaunum (Schweiz) und weiteren wichtigen Ortsnennungen am Rhein: Bonn, Köln und Xanten.


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In diesem Kontext hat der Künstler  in Bonn dicht vor der Ostapsis des Münsters die beiden Häupter der thebäischen Märtyrer Cassius und Florentius, die zugleich als Stadtpatrone von Bonn gelten, als große Skulpturen in Granit niedergelegt.


Bei Köln wurden die unter der militärischen Leitung des Hl. Gereon stehenden Thebäischen Truppen  von der kaiserlichen Strafexpedition “auf offenen Feld³ angetroffen.

Während eine Kölner Tradition den Ort des Martyriums im heutigen Stadtteil Ehrenfeld an der Stelle des 1180 gegründeten Augustinerklosters Ad Martyres/Mechtern annimmt, gehen andere Überlegungen davon aus, dass Gereon und seine Gefährten den Märtyrertod an der Stelle des späteren Driesch erlitten haben.


Dabei wird die Namensgebung Driesch vom griechischen Wort drypis = Streit, Krieg abgeleitet und verweist auf einen römischen Waffenplatz, der auch zugleich als Mordhof der Thebäischen Legion bezeichnet worden ist.


Der Künstler Yediler hat den monumentalen Kopf des Hl. Gereon mit seitlicher Neigung unmittelbar auf den Boden gesetzt. Damit wirkt der mit wachen Augen geradezu klassisch konzipierte soldatische Heilige wie ein umgestürzter Portraitkopf.
Trotz des nicht eindeutigen Hinweises auf das Martyrium und die Hinrichtung, werden beim Betrachter neben der hoheitlichen Würde, die das behelmte Haupt noch ausstrahlt, auch die schockierende Isolation des zur Seite gerollten Hauptes unmittelbar wahrgenommen und die Enthauptung dabei assoziiert.


Das Vorbild der künstlerischen Arbeit ist den aufmerksamen Kirchenbesuchern wohl vertraut: die gefasste Statue des Hl. Gereon mit Schild und Lanze aus dem späten 17. Jh., die auf einem Podest im Hohen Chor der Kirche nahe dem Eingang zur Sakristei  steht, diente dem Künstler als Vorbild und Ausgangspunkt seiner Überlegungen.
Die Skulptur des Künstlers Yediler ist eine Schenkung an die Kirchengemeinde St. Gereon, vermittelt durch die Bezirksvertretung Innenstadt, die mit dieser Setzung zugleich einen verwahrlosten Platz neu bewertet hat. Es bleibt zu hoffen, dass hiermit ein Anfang gemacht ist, den traditionsreichen Stadtraum wieder qualitätvoll gestaltet erlebbar zu machen.

Neben der vor etwa 100 Jahren auf dem südlichen Platzteil aufgestellten Mariensäule künden nun auf dem nördlichen Teilplatz seit Kurzem nicht mehr allein die unansehnlichen Wertstoffcontainer vom Nutzen dieses Altkölner Platzes, sondern ein zeitgenössisches Stück Stein gewordener Stiftstradition, erzählt auf dem weiten Platz vor dem Ostchor der Kirche von den geistlichen Gründungen des Ortes.
Eine bedenkenswerte Ortsveränderung.

Dr. Gottfried Stracke


 Last Update: Freitag, 18. März 2005 10:46 Wolfgarten

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