Ein verführerischer Begriff, der spontan erst einmal zu positiven Assoziationen verleitet: Er lässt an schwierige Verhandlungen denken, bei denen der Kompromiss und damit der Durchbruch geschafft wurden. Bleiche, übermüdete und doch zufriedene Gesichter lächeln in die Kamera.
Aber eben auch: Ein Patient, die Mine schmerzverzerrt, wird in die Notaufnahme des Krankenhauses eingeliefert. Lebensgefahr. Der Blinddarm steht kurz vor dem Durchbruch. Ein Kind greint jämmerlich, bis sich endlich die ersten Zähnchen zeigen.


Durchbruch


Eltern reagieren häufig ziemlich verstört, wenn der Sohn es schafft, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Auch das ist Durchbruch, ist Leben, das sich verwirklicht. Bei allen inhaltlichen Facetten geht es um eine sehr vitale grundsätzliche Aussage: um die Überwindung von Widerständen und darum, dem Wollen Raum zu verschaffen.
Sei es, dass der Körper eine Entzündung loswerden oder eine Entwicklung vorantreiben will und durch eine grandiose Selbststeuerung alle inneren Kräfte mobilisiert.

Sei es, dass Menschen eine Aufgabe ins Visier nehmen und sich dafür wappnen: mit Mut, Durchhaltevermögen und Vertrauen - und klugerweise mit dem Wissen um die Gegenspieler: die Angst, die ihnen zuflüstert, das Risiko der Ausgrenzung nicht einzugehen. Die Gefühle der Ohnmacht, der Kränkung, der Resignation.

Mir fiel zum Wort "Durchbruch" als erstes das Bild aufbrechender, sich öffnender Keime und Knospen und konkret mein kleines Kressebeet in der Küche ein. Ein wenig Watte, Samenkörner, Feuchtigkeit, Warten. Das Wunder des Werdens braucht für die zarten grünen Triebe nicht mehr als 2 Tage!

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Ich bat den Mandelbaum, mir von Gott zu erzählen, da fing er an zu blühen." Es muss kein Mandelbaum sein, die Aussage stimmt nicht minder, wenn ich an meine Kresse denke. Denn auch hier zeigt sich ganz faszinierend die Dynamik des Lebens und der Zauber der Wandlung.
Und es ist schön, nicht selbst "machen" zu müssen. Mein filigraner Vitaminspender wächst ganz von allein.
Jenseits aller Durchbrüche, die wir Menschen für uns oder für andere mit viel Energieaufwand anpeilen, gibt es noch diese andere, die göttliche Dimension. Die Aufforderung, sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen, wachsen zu lassen, Sein zu lassen. Nicht nur, wenn es um Kresse geht.

Isolde Rexa

Traum

Im Dunkel

der Nacht

rankt sich

die Sehnsucht

am

Nichts

empor

wächst

ins

Unendliche

und

blüht

und

reift

und

sprengt

     das

           Grau

 Andrea Schwarz


Last Update: Donnerstag, 17. März 2005 10:55 Wolfgarten

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