Denkmal Edith Stein - geschaffen von dem Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim

Ich stand - wie schon oft, wenn ich die Kardinal-Frings-Str. überqueren wollte - vor dem Denkmal von Edith Stein des Künstlers Bert Gerresheim. Ich kann nie daran vorbeigehen. Immer neu ergreift es mich, nicht etwa allein wegen des so eindrücklich dargestellten Leidenswegs der KZ-Opfer, sondern besonders fasziniert mich immer wieder die dreifache Gestalt der Heiligen.

Die junge Philosophin aus der streng gläubigen jüdischen Familie - gestützt auf den Davidstern - deren Glaube sie später völlig verloren hat. Dann der Riss durch ihre Gestalt in der Zeit ihres Suchens, bis sie als Karmelitin das Kruzifix in Händen hält.

Es war ein langer Weg, um die Wahrheit zu finden. Doch dann geschah dieser Durchbruch zum christlichen Glauben in einer einzigen Nacht. Sie war bei einer Freundin zu Gast. Als diese am Abend auswärts zu tun hatte, stellte sie Edith ihre Bibliothek zur Verfügung. Sie schreibt weiter darüber:


Durchbruch zu neuem Leben


"Ich griff hinein aufs Geradewohl und holte ein umfangreiches Buch hervor: "Leben der hl. Teresia von Avila", geschrieben von ihr selbst. "Ich war sofort gefangen und hörte nicht auf bis zum Ende. Als ich das Buch schloss, sagte ich mir: Das ist die Wahrheit


Ich hatte die Wahrheit erkannt und handelte danach. Ein Messbuch, ein Katechismus war das nächste, was ich studierte. Dann betrat ich zum ersten Mal eine katholische Kirche, um die hl. Messe mitzuerleben". Danach bat sie kurzerhand den erstaunten Pfarrer um die Taufe. Das war 1922 - und 1933 trat sie als Schwester Benedicta a Cruce in den Kölner Karmel ein, bis zu ihrem Wechsel nach Holland und ihrer Deportation nach Auschwitz und ihrem Gastod. Eine Freundin sagte später: "Wir alle sahen auf den ersten Blick, dass Edith eine andere geworden war, sogar ihre fromme jüdische Mutter, der dieser Schritt ihrer Tochter ein tiefer Schmerz war, musste es erkennen, freilich ohne es jemals begreifen zu können."

In dieser einen Nacht fand ein langes Suchen ein Ende: wie ein Blitz war ein neues Leben durchgebrochen, ein Blitz aus der Dunkelheit. Irgendwie erinnert es mich an das Licht, das Saulus getroffen hat, als er "wutschnaubend und voll tödlichem Hass an die Synagoge von Damaskus gehen wollte, um Männer und Frauen gefesselt nach Jerusalem zu schaffen, die Anhänger der neuen Lehre. (Apg 9,1)


"Da umblitzte ihn auf einmal ein Licht vom Himmel, er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: "Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" "Wer bist du, Herr?" fragte er. "Ich bin Jesus, den du verfolgst". Saulus erhob sich vom Boden, aber sah nicht mehr. Nach drei Tagen, als Hananias zu ihm gesandt worden war, "fiel es wie Schuppen von seinen Augen, er konnte wieder sehen und ließ sich taufen." Das Licht vom Himmel mit der Stimme hatte ihn wie ein Blitz getroffen. Saulus wurde Paulus, der große Völkerapostel. Es war ein Durchbruch seines unerschütterlichen Glaubens an Jesus, der ihn zum neuen Menschen gemacht hat.

"Es ist 17.10 Uhr - in zwei Minuten werde ich Christ sein."

So führt einer der bekanntesten Journalisten Frankreichs in seinem Buch: "Gott existiert - ich bin ihm begegnet", das Kapital über seine Bekehrung ein. Erst nach 35 Jahren beschrieb er das erste Mal, was ihm mit 20 Jahren in einer Kapelle von Paris widerfuhr. Sein Vater war Kommunist, später als Sozialist Minister. "Gott existierte nicht in der Familie, niemand sprach zu uns Kindern von ihm. Der vollkommene Atheist war nicht derjenige, der die Existenz Gottes leugnete, sondern der, für den es dieses Problem der Existenz Gottes gar nicht gab.

Ich hoffe durch meinen Bericht klargemacht zu haben, dass mich nichts auf den Glauben vorbereitete, ausgenommen die Tatsache, dass ich keinen kannte. Es war natürlich, dass mich meine Eltern in der Weltanschauung erzogen, die die ihre war und die bis zu meinem 20. Lebensjahr die meine geblieben ist."

"Es war der 8. Juli, ein herrlicher Sommertag in Paris. Ich hatte ein Rendez-vous mit einer Studentin verabredet. Einen Augenblick später wird dies vollkommen vergessen sein."

Frossard wartete auf seinen Freund, der Katholik war, vor einer Kapelle der "Schwestern von der sühnenden Anbetung." Als ihm die Zeit zu lang wurde, betrat er die Kapelle, um seinen Freund zu suchen. Auf dem Altar stand eine Monstranz mit einer "weißen Scheibe", die er nicht zu deuten wusste. Sein Blick blieb an "der zweiten Kerze" haften.


"In diesem Augenblick bricht eine Welle von Wundern los, deren unerbittliche Gewalt in einem Nu von dem absurden Wesen, das ich bin, die Hülle reißen und das Kind, das ich nie gewesen bin, ans Tageslicht bringen wird.

Wie soll ich's schildern mit diesen Worten, die mir den Dienst versagen? Von neuem bricht die Lawine los. Es ist eine beinahe unerträgliche Helle - eine andere Welt, es ist die Wirklichkeit, die Wahrheit: Es gibt eine Ordnung im Universum, und an der Spitze ist die Evidenz Gottes, der Person, die ich vor einer Sekunde geleugnet habe, den die Christen "unseren Vater" nennen. Dessen milde Güte ich an mir erfahren habe, die alle Gewalt übertrifft. Der überwältigende Einbruch ist begleitet von einer Freude, einem Jubel des vom Tod Erretteten. Alles ist beherrscht von der einen Gegenwart. Ich bin das Kind, das erwacht, um zu erfahren, das alles Geschenk ist."

Als Frossard die Kapelle verlässt und seinen Freund endlich findet, fragt der: "Ja, was hast du denn?" "Ich bin katholisch, römisch katholisch - Gott existiert - alles ist wahr."

Ich schreibe dies nicht, um von mir zu erzählen, sondern um Zeugnis abzulegen." Ein Pater ubernahm es, ihn auf die Taufe vorzubereiten. "Was er mir von der christlichen Lehre sagte, empfing ich mit Freude, die Lehre der Kirche war wahr."


Sein Vater, Atheist und sozialistischer Minister, war völlig schockiert über die Entwicklung seines Sohnes und zog einen Psychiater zu, der ihn behandeln sollte.
Der letzte Satz dieses erstaunlichen Buches lautet: "Liebe, um dich zu verkünden, wird die Ewigkeit zu kurz sein."
Gewiss soll nicht gesagt werden, alle Bekehrungen seien auch "ein Blitzschlag des Absoluten" gewesen. Manchmal war es ein langer Weg voller Zweifel und Unruhe oder auch ein stilles Reifen, besonders bei jungen Menschen.

Oft wünsche ich denjenigen, die durch Erziehung im Glauben aufgewachsen und dann später unendlich gleichgültig geworden sind, die gleiche Freude von Konvertiten und das gleiche Glück über ihr gefundenes Christsein. Auch den früh als Kind Getauften wurde ja für ihr ganzes Leben in gleicher Weise die österliche Freude und das österliche Alleluja geschenkt.

Marion Th. Lang


Literatur: Edith Stein. Authentische Ausgabe des Kölner Karmel. Steyler Verlagsbuchhandlung
André Frossard: Gott existiert - ich bin ihm begegnet. Düsseldorf: Müller, 2002.


 Last Update: Donnerstag, 17. März 2005 17:25 Wolfgarten

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