Wir haben seinen Stern gesehen - (Mt, 2,2)
von Pastor Andreas Brocke

„Folge deinem eigenen Stern“ mit diesem Slogan macht der Automobilhersteller mit dem Stern Werbung für eines seiner Modelle. In der Tat scheint es doch eine große Verlockung zu sein, meinen eigenen Stern zu haben, dem ich folgen kann, in dem er immer vor mir her fährt. Ich habe das Lenkrad in der Hand und bestimme so den Weg letztlich selber. Der Stern des Autos folgt mir und dann ich ihm. Also ich folge dem, dessen Weg ich selber vorgebe und das Ganze noch mit einem gewissen Komfort.


Anders ist es da mit den drei Weisen aus dem Morgenland. Der Stern, dem sie folgen, ist nicht ihr eigener Stern, sondern der eines anderen. Sie begreifen, dass dieser Stern etwas ganz Besonderes ist und dass er eine Bedeutung für sie hat. Der Stern, der hell in der Nacht leuchtet, wird dadurch „ihr eigener Stern“, den sie spüren: Dieser Stern führt uns zu einem König, der für uns wichtig ist und der das Schicksal der Welt verändern wird. Also nicht Autonomie ist die Devise der drei Sterndeuter, sondern die Erfüllung ihrer Sehnsucht in dem König, zu dem der Stern sie leiten will.


In den drei Heiligen Königen begegnen uns Menschen die spüren, dass nicht alles im Leben von ihnen selber abhängt, sondern von einem anderen. Sie aber müssen es wagen, dem Stern zu folgen, aufzubrechen und die Führung dem Stern überlassen, dessen Weg sie nicht in der Hand haben. Ein Wagnis und gleichzeitig eine Entlastung. Denn alles immer selber in der Hand haben zu müssen, ist eine Überforderung unseres Menschseins. Wer immer alles in der Hand haben muss und sich nie auf etwas anderes als auf sich selbst verlässt, wird irgendwann am Ende seiner Kräfte sein oder an sich selbst verzweifeln. Es ist eine große Entlastung auch anderen vertrauen zu können. Es geht dabei nicht um blinden Gehorsam, denn dieser hat schon oft genug Menschen und Völker ins Unglück gestürzt, sondern um Vertrauen, ohne mein eigenes Denken abzuschalten, weil ich weiß und spüre auf wen ich mich verlassen kann.


Die drei Sterndeuter waren darüber hinaus sehr kluge Beobachter, sonst hätten sie den Stern nicht wahrnehmen können. Sie haben genau hingeschaut und sind dem Stern gefolgt, der ihnen heller erschien als alle anderen. Sie gingen dem Stern hinterher, den sie als Wichtigen und Wegweisenden erkannt haben. Sie haben für sich entschieden, für was es sich lohnt aufzubrechen und haben dann damit ernst gemacht. Ich glaube, dass es wesentlich für uns Menschen ist, sich über eigene Werte und Überzeugungen klar zu werden und ihnen dann zu folgen. Sich zu eigenen Werten zu bekennen und den Ein-sichten Konsequenzen folgen zu lassen ist wichtig, wenn Leben und Zusammenleben gelingen soll.


Die Weisen aus dem Morgenland huldigen dem Kind zu dem der Stern sie führt. In dem kleinen Kind von Bethlehem begegnet ihnen Christus, der König der Welt. Dies ist die Botschaft unseres Glaubens. Im kleinen Kind ist der große Gott erschienen, dem wir unser Leben anvertrauen sollen. Im Unscheinbaren und Kleinen ist Gottes Gegenwart nicht immer leicht für uns. Die Erzählung vom Stern über Bethlehem möchte uns Mut machen, es den Weisen aus dem Morgenland gleich zu tun. Hinzuschauen und aufmerksam zu sein und dann auch den Mut zu haben, dem, was ich als richtig und wichtig erkannt habe, Konsequenzen folgen zu lassen. Im Kleinen und Unscheinbaren Gott zu erkennen.


Im nächsten Jahr werden viele hunderttausende Jugendliche aus aller Welt zum Weltjugendtag hier nach Köln kommen. Unter dem Leitwort aus der Dreikönigsgeschichte „Wir sind gekommen um Ihn anzubeten“ werden sie sich hier treffen, um gemeinsam zu beten, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen und die Gemeinschaft der Kirche zu erleben. Wie die Weisen aus dem Morgenland werden sie sich aufmachen, weil sie spüren, dass in Jesus Christus etwas Bedeutendes für ihr eigenes Leben steckt. Ich wünsche uns, dass der Weltjugendtag im nächsten Jahr uns ein wenig anstecken wird mit der Begeisterung für Christus und die Gemeinschaft der Christen. Pastor Andreas Brocke.


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Last Update: Samstag, 18. Dezember 2004 18:30 Wolfgarten