Das Ende der Nacht
von Marion Th. Lang   1 Reinhold Stecher: "Die leisen Seiten der Weihnacht"


„Warum, warum, warum, o Herr,
so frage ich dich bange, warum währt die Nacht so lange, so lange, so lange, so lange für mich?“


Das Lied „Die Nacht“ (la nuit) des französischen Jesuitenpaters Aimé Duval - bekannt durch die Schallplatten seiner vielen religiösen Chansons - hat er gewidmet:
„Allen, die nicht schlafen können oder dürfen, weil sie an ihrem Arbeitsplatz sind. In ihren schlaflosen Nächten wird ihnen Gott begegnen als Freund, denn er hat alles mit uns geteilt: Die Weihnacht, die Nacht am Ölberg, die Nacht des Karfreitags und die Auferstehung.“

Und dieses Lied kam mir in den Sinn, wenn ich nach meiner Operation oft schlaflose Nächte durchlebt habe. Es ist merkwürdig: man schaut auf die Uhr - immer wieder - und erwartet jedes Mal, es sei eine Stunde später geworden, aber dann ist es in Wirklichkeit nur eine Viertelstunde - so lang, so lang, mein Gott!

Dann endlich kommt der erste Lichtstrahl durchs Fenster - es wird doch Morgen, ein neuer Tag!
Einmal in solch endlos erscheinender Nacht kam mir der Gedanke: Das ist ein Bild für den Advent. Tausende Jahre haben die Menschen gewartet und gerufen:

 

 

"O komm, o komm, Emanuel, nach dir sehnt sich dein Israel.“
Und dann, als die Zeit erfüllt war, kam die Heilige Nacht. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht, über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“
(Jes. 9, 1-6).

Eine endlos erscheinende Nacht soll es in unserem Leben niemals geben. Denn wenn wir das Kind in der Krippe von
Bethlehem bei uns einlassen, lässt es uns nie allein.
Seid gewiss. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“
- so hat es uns Jesus versprochen. (Mt 28,20)
In „der Nacht der Selbstentäußerung Gottes“
1 sollen wir, so fordert es der Apostel Paulus,
„den alten Menschen ablegen und den neuen Menschen anziehen, der nach dem Bild Gottes erschaffen ist.“ (Eph 4,24)

Wenn wir uns in der Heiligen Nacht für ihre Botschaft öffnen, dann gilt uns "die große Freude“,
die allen Menschen zuteil werden soll.  Marion Th. Lang
1 Reinhold Stecher: „Die leisen Seiten der Weihnacht“


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Last Update: Samstag, 18. Dezember 2004 18:35 Wolfgarten