PFARRBRIEF ST. GEREON     Weihnachten 2001
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Heim-gesucht

 

„Ich stehe vor der Tür 
und klopfe an. 
Wer meine Stimme 
hört und 
die Tür öffnet, 
bei dem werde 
ich eintreten." 

(Offenbarung 3,20)

Heimsuche - Umkehr ist Einkehr 
von Adrian Wellmann 
Ich bete für eine Welt. Ich bete für die Eine Welt, in der die Feindesliebe durch Vergebung Wirklichkeit ist. Ist denn das sogenannte Böse, das man im anderen sieht, nicht bloße Fiktion eigener Ängste? Die Bedrohungsszenarien werden wohl ewig fortdauern, begreift man nicht, dass sie die Projektionen eines Geisteszustandes sind, der sich nicht in der Einheit mit allem - mit Gott - erkennt. 
Das Grauen in immer neuen Variationen wird im menschlichen Verstand hervorgerufen und seine Verursachung ist die Angst. 
Fresko Erzengel-Michael-Kirche 
mit Stiftern,

1474 Zypern


Der Mensch wird lernen müssen, seinen Ängsten ins Angesicht zu schauen. Ich glaube, dies ist die Voraussetzung, um der Notwendigkeit eines globalen Bewußtseinswandels folge zu leisten. Jeder Versuch der Angstabwehr durch Techniken und Verdrängung wird weiteres Unheil heraufbeschwören und den Schrecken der Welt fortsetzen. 

„Fürchtet euch nicht." Dies ist der Ruf zum Erwachen des Geistes aus seinem Weltenschlaf. Weil der Geist des Menschen im Schlaf der Gottferne liegt, teilt er sein Lager mit der Angst. Die tiefste Angst im Menschen ist die vor dem Unbekannten. Und ist im schlafwandelnden Bewußtsein, in der Verfangenheit irdischer Existenz, nicht Gott der eigentliche Unbekannte? 

Aber das Unerkannte im Menschen ist seine wahre Heimat, seine göttliche Herkunft, sein innerer Friede und seine unbegrenzte Liebe. Wer sich dem hinter der Angst Liegenden zu öffnen vermag, dem verändert sich die Welt. Nicht Waffengewalt, nicht Technik und Ideologie oder Gewalt können das Dilemma der Welt aufheben. Sie sind vielmehr die Vertreter des Gesetzes „dieser Welt". Ich denke, es ist wichtig deutlich zu machen, dass die Ängste, die uns von Gott und von unserem Bruder oder unserer Schwester entfernt halten, nur aufzulösen sind, wenn man sich ihnen mutig stellt. Das Wunder, das so geschehen kann, ist der Gewinn dessen, was im Verborgenen in uns liegt: Liebe, Glück und Selbsterkenntnis. Hinter der Tür der Angst erwartet uns die Einsicht, immer schon in, durch und mit Gott zu sein. Wir haben es nur vergessen. 

„Kehret um!" Heute ist dieses Wort nicht weniger aktuell als damals. Umkehr ist Einkehr. Wer die Schuld für Scheitern und Hass beim anderen sucht, hat sich selbst schon verurteilt, weil wir jenseits der Grenzen der Angst ein Geist sind. Es gibt hinter den Schranken des Ego, die durch den Wächter Angst bewacht und die durch unseren Verstand aufgerichtet sind, nur einen Sohn Gottes, der wir alle in der Einheit des Geistes gemeinschaftlich sind. Der wahre, eine Sohn Gottes ist nicht und war auch nie von Gott getrennt. Man suche also nicht nach Schuld und Sühne, man suche vielmehr nach Vergebung im eigenen Herzen. Und darum wird die Angst weichen, wenn der Irrtum des Getrenntseins im Geiste geheilt ist. In jedem anderen kann man sein wahres Selbst erkennen, denn wir sind auf ewig verbunden eins. 

Ich habe eine tiefe Einkehrerfahrung gefunden, die in den schönen Worten des Dichters beschreibt, was ich hier zu illustrieren versuchte. 

Dies Gedicht ist von Gottfried Benn 
und ist Oskar Loerke zum 50. Geburtstag gewidmet: 


Wenn Du noch leidest und 
Kämpfst für Dein Walten, 
Glück und Lebensgrund, 
Bebst um Erhalten. 
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Wenn Du noch Dinge siehst, 
Die Dir gehören, 
Wenn Du noch Ringe fliehst, 
Die Dich zerstören
Doch wenn Du ganz versinkst, 
Kommt Dir die Wende, 
Du schweigend weitertrinkst 
Wunden und Ende. 
Wenn Du noch Formen willst, 
Um nicht zu enden, 
Wenn Du noch Normen stillst, 
Statt Dich zu wenden. 
Wenn Du dann ganz am Grund 
Der Höllenscharen, 
Naht sich ein Geistermund, 
Hallen Fanfaren. 
Bist Du noch Zwischenrang, 
Spieler und Spötter, 
Larve und Larverdrang 
Dunkler Götter. 
Dann über Einsamkeit, 
Spieler und Spötter, 
Naht die Unsterblichkeit: 
Strophen und Götter.

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