| PFARRBRIEF ST. GEREON Weihnachten 2001 |
„Ich
stehe vor der Tür
(Offenbarung 3,20) |
Der Mensch wird lernen müssen, seinen Ängsten ins Angesicht zu schauen. Ich glaube, dies ist die Voraussetzung, um der Notwendigkeit eines globalen Bewußtseinswandels folge zu leisten. Jeder Versuch der Angstabwehr durch Techniken und Verdrängung wird weiteres Unheil heraufbeschwören und den Schrecken der Welt fortsetzen. „Fürchtet euch nicht." Dies ist der Ruf zum Erwachen des Geistes aus seinem Weltenschlaf. Weil der Geist des Menschen im Schlaf der Gottferne liegt, teilt er sein Lager mit der Angst. Die tiefste Angst im Menschen ist die vor dem Unbekannten. Und ist im schlafwandelnden Bewußtsein, in der Verfangenheit irdischer Existenz, nicht Gott der eigentliche Unbekannte? Aber das Unerkannte im Menschen ist seine wahre Heimat, seine göttliche Herkunft, sein innerer Friede und seine unbegrenzte Liebe. Wer sich dem hinter der Angst Liegenden zu öffnen vermag, dem verändert sich die Welt. Nicht Waffengewalt, nicht Technik und Ideologie oder Gewalt können das Dilemma der Welt aufheben. Sie sind vielmehr die Vertreter des Gesetzes „dieser Welt". Ich denke, es ist wichtig deutlich zu machen, dass die Ängste, die uns von Gott und von unserem Bruder oder unserer Schwester entfernt halten, nur aufzulösen sind, wenn man sich ihnen mutig stellt. Das Wunder, das so geschehen kann, ist der Gewinn dessen, was im Verborgenen in uns liegt: Liebe, Glück und Selbsterkenntnis. Hinter der Tür der Angst erwartet uns die Einsicht, immer schon in, durch und mit Gott zu sein. Wir haben es nur vergessen. „Kehret um!" Heute ist dieses Wort nicht weniger aktuell als damals. Umkehr ist Einkehr. Wer die Schuld für Scheitern und Hass beim anderen sucht, hat sich selbst schon verurteilt, weil wir jenseits der Grenzen der Angst ein Geist sind. Es gibt hinter den Schranken des Ego, die durch den Wächter Angst bewacht und die durch unseren Verstand aufgerichtet sind, nur einen Sohn Gottes, der wir alle in der Einheit des Geistes gemeinschaftlich sind. Der wahre, eine Sohn Gottes ist nicht und war auch nie von Gott getrennt. Man suche also nicht nach Schuld und Sühne, man suche vielmehr nach Vergebung im eigenen Herzen. Und darum wird die Angst weichen, wenn der Irrtum des Getrenntseins im Geiste geheilt ist. In jedem anderen kann man sein wahres Selbst erkennen, denn wir sind auf ewig verbunden eins. Ich habe eine tiefe Einkehrerfahrung gefunden, die in den schönen Worten des Dichters beschreibt, was ich hier zu illustrieren versuchte. Dies Gedicht ist von Gottfried Benn
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