PFARRBRIEF ST. GEREON     Weihnachten 2001
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Heim-gesucht

 

„Ich stehe vor der Tür und 
klopfe an. 
Wer meine Stimme 
hört und 
die Tür öffnet, 
bei dem werde 
ich eintreten." 

(Offenbarung 3,20)

Die Kirche Heim der Gläubigen
 Wie steht es um den Bestand der Kirchenbauten in der Erzdiözese Köln? 


Ein Gespräch von Inge Baecker für die Pfarrbriefredaktion 
mit dem neuen Diözesanbaumeister Struck 

Frage: Werden heute noch neue Kirchen gebaut ? Wenn ja, wo ? 

Herr Struck: Es wird zur Zeit in Köln-Blumenberg ein Kirchengebäude begonnen; Kirchenerweiterungen gibt es in Vingst und in Leichlingen. Die Aktivitäten beziehen sich auf den „Speckgürtel", nicht auf die Innenstädte. Die Begründung: immer weniger Menschen leben in den Innenstädten, junge Familien suchen außerhalb der Stadt eine Wohnung. In der Innenstadt verbleiben alte Leute und Ausländer. Gäbe es nicht die „Fahrgemeinden", sähe es noch düsterer aus. Den Umlandgemeinden, die starke Zuwächse vermelden, fehlen die Infrastrukturen der Innenstädte, d. h. Schulen und Kirchen. Die bestehenden Infrastrukturen der Innenstädte müssen erst durch „Neubesiedelung" wiederbelebt werden. 

Es gibt in der Erzdiözese 1000 Kirchen und Kapellen, davon sind 370 zwischen 1956 und 1990 gebaut worden. Diese Neubauten und auch Erweiterungen fußten noch auf den Zahlen der sonntäglichen Kirchenbesucher von 1955, nämlich 1,2 Millionen. Heute müssen wir von weniger als 365 000 ausgehen. 

Das führt auch dazu, daß große Gemeindezentren durch ungenutzte Räume mit hohen Betriebskosten belastet sind. 

Frage: Es werden Gemeinden zusammengelegt. Kirchen können dadurch leerstehen. Was machen Sie mit diesen Gebäuden ? 

Herr Struck: Ca. 5 Kirchen wurden in den 60er Jahren aufgegeben. Grundsätzlich ist es ein langwieriges Verfahren, bis eine Kirche abgerissen oder umfunktioniert wird. Wenn ein Antrag auf Aufgabe einer Kirche gestellt wird, prüft das Amt zunächst : 1. den Trend ( ob vielleicht später wieder Bedarf bestehen könnte), 2. die kunsthistorische Bedeutsamkeit des Baues, 3. mögliche Umfunktionierungen in kirchennahe Aufgaben, 4. Sanierungsstau, etc. Zuletzt erst trifft der Erzbischof die Entscheidung, ob saniert, verkauft, umfunktioniert oder abgerissen wird. Gerade in den Innenstädten können solche nicht mehr sakral genutzten Bauten eine wichtige Funktion für eine allgemeine öfffentliche Nutzung übernehmen.

Frage: Welche Baukonzepte wurden und werden bei den neuen Kirchen zugrunde gelegt ?

Herr Struck: Als man endlich davon abging, nur dem gotischen Stil sakrale Eigenschaften zuzuordnen, entstanden neue Konzepte, z.B. der Trend zum Mehrzweckraum: die Kirche als Ort des Gottesdienstes, als Gemeindesaal, als Treffpunkt etc. Die alten Kirchen verfügen über keine eigenen Räumlichkeiten für einen Gemeindetreff außerhalb des Gottesdienstraumes (oder allenfalls in rudimentärer Form wie in St. Gereon). Die Erfahrungen, die man in den 70er Jahren mit den Mehrzweckräumen machte, führte schnell dazu, die Funktionen wieder räumlich zu trennen, d.h. der Gottesdienstraum wurde vom Gemeindesaal, vom Meditationsraum, vom Infocenter oder der Cafeteria abgetrennt. Ein besonders gutes Beispiel für die Mehrzweckkirche mit strenger räumlicher Trennung ist der Neubau der Kirche in Vingst vom Architekten Böhm. Trotz großer Gemeindeaktivitäten Pfarrer Meurers bleibt der Gottesdienstraum streng separiert. 

Frage: Unter welchen Gesichtspunkten werden alte Kirchen restauriert ?

Herr Struck: Nach dem Krieg wurden wieder restaurierte Kirchenräume weiß gestrichen. Die Reinheit der weißen Wand sollte an das himmlische Jerusalem erinnern. Das war gut gedacht, funktionierte aber nicht. Es wurden und werden Bilder gebraucht, um den Glauben visuell zu artikulieren. Die „weiße Wand". der „sichtbare Stein" kamen aus der Bauhausbewegung, enthielten aber kein metaphysisches Konzept. Der Ausweg aus dem Dilemma konnte auch nicht die historisierende Restaurierung des 19. Jahrhunderts sein. Deutlich trat ein mangelnder Mut zutage, religiöse Symbole zu gestalten: nicht historisierend, vielleicht etwas expressiv oder ein bischen modern? Es gab und gibt keine homogene Vorstellung der Gläubigen, keinen allgemeingültigen Kanon, wie die Kirche zu restaurieren, bzw. künstlerisch zu gestalten sei. Aus festgefügten Ortspfarreien wurden flexible Fahrgemeinden. Das katholische - allumfassende - Modell führt zur Öffnung für verschiedenartige Konzepte der Gestaltung, nicht so sehr „von oben" verfügt, als „von unten" vor Ort erarbeitet. Auch die Kunstkommission legt keine neuen, möglicherweise verbindlichen Konzepte vor. Jede Gemeinde muss sich ihr Haus selbst ausgestalten, selber im Gespräch miteinander den verbindlichen Ausdruck finden. 
 

Im Namen der Pfarrbriefredaktion von St. Gereon 
ein Danke an Diözesanbaumeister Struck für dieses Telephoninterview. 

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