PFARRBRIEF ST. GEREON     Weihnachten 2001
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Heim-gesucht

„Ich stehe vor der Tür 
und klopfe an. 
Wer meine Stimme 
hört und 
die Tür öffnet, 
bei dem werde 
ich eintreten." 

(Offenbarung 3,20)

Thema: „Refugee go home - he would if he could" 
von Claudia Nothelle (berichtet zeitweise für ARD aus Pakistan)


- „Flüchtling, geh nach Hause - er würde, wenn er nur könnte!" 
Dieses Plakat der Vereinten Nationen habe ich vor wenigen Wochen in Islamabad gesehen. Und es hat mich sehr nachdenklich gemacht. 

Drei Millionen afghanische Flüchtlinge leben schon jetzt in Pakistan. Und viele weitere - bisher ungezählte - würden gern kommen, wenn sie nur könnten. Zigtausende Afghanen irren im eigenen Land umher auf der Suche nach einem sicheren Dach über dem Kopf. Der Winter bricht über sie herein. Die Grenzen sind zu - ihre Flucht hat kein Ziel. So sind sie auf der Flucht im eigenen Land. 
Go home? Heimsuchung?
Mitten in Kabul sitzen (zumindest Anfang November, während ich diese Zeilen schreibe) immer noch acht Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation
„shelter now" im Gefängnis. Der Organisation, die schon in ihrem Namen ausdrückt, was sie eigentlich möchte: ein Obdach schaffen, Zuflucht bieten. Damit sind sie in Afghanistan gescheitert. Christliches Gedankengut oder gar Missionsversuche stoßen bei den herrschenden Taliban auf Unverständnis und Widerstand. 
Heimsuchung? Go home? They would if they could - sie würden, wenn sie könnten.
 

Die Anbetung 
der Weisen,

Albrecht Dürer 1511

Im Nachbarland Pakistan finden einige Terroristen ein Dach über dem Kopf. 
Pakistan hat viele der Taliban - was ja eigentlich nichts anderes als Koranschüler heißt - ausgebildet. Manche, aber bei weitem nicht alle, denken fundamentalistisch. Sie fassen die Bomben als Bomben gegen ihre Religion auf und wollen dem bedrohten Nachbarn beistehen. Die radikalen Moslems benutzen den alten Slogan aus den Zeiten des Vietnamkriegs: 
Ami go home! 
In Pakistan gibt es „Städte ohne Frauen". Zumindest dem Straßenbild nach zu urteilen, das die Männer beherrschen. Für die Frauen bleibt der Platz im Haus. 
Dort ist ihr Reich. Heimsuchung? Mir als Europäerin fällt es zunächst schwer. 
Das Land ist faszinierend, aber fremd. Genauso geht es wahrscheinlich auch den Pakistanern mit uns: wir kommen aus einer anderen Welt. 
Go home?
Ich bin gerne dort, sammle neue Eindrücke, genieße die Gastfreundschaft, verfolge das Weltgeschehen aus einem anderen Blickwinkel. 
Go home - wohin? 
Zurück in Deutschland fühle ich mich zumindest zeitweise fremd. Natürlich ist das mein Zuhause: Sprache, Essen, Kultur und vor allem natürlich Familie und Freunde. Wohlvertraute Umgebung. Ein schönes Gefühl. Aber trotzdem: die ehemals wohlvertrauten Denkmuster erscheinen mir nicht mehr ganz so logisch. 
Ich bin nachdenklicher geworden. 
Wie hieß das noch bei Heinrich Böll:
„... weil wir uns auf dieser Erde nie ganz zu Hause fühlen". 

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