PFARRBRIEF ST. GEREON     Weihnachten 2001
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Heim-gesucht

 

„Ich stehe vor der Tür 
und klopfe an. 
Wer meine Stimme 
hört und 
die Tür öffnet, 
bei dem werde 
ich eintreten."

(Offenbarung 3,20)

Mariae Heimsuchung
 von Christa Stehmans 


Heimsuchung ein alter Begriff, ein sehr alter Begriff. Er ist ursprünglich in den germanischen Sprachen als Rechtsbegriff verbreitet für einen Überfall eines 
Hauses durch eine Schar Bewaffneter, später für einen Besuch mit glücklicher oder unglücklicher Folge benutzt. Luther gebraucht ihn im biblischen Sinn für die Heimsuchung durch Gott. 

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist „Heimsuchung" eher negativ gefärbt. Das geht auf das Alte Testament (in älterer Übersetzung) zurück, in dem es eine große Anzahl von Stellen gibt, in denen Gott die Menschen heimsucht, damit ihnen ihre Schuld offenbart wird. In zwei Textstellen (1 Mo 21,1 und 1 Sam 2,21) wurde heimsuchen positiv verwandt. Sara und Hanna wurden von Gott heimgesucht und wurden schwanger. In der Einheitsübersetzung der Bibel, die 1990 erschienen ist, wird der Begriff kaum noch gebraucht, das Urteilen und Strafen durch Gott wird direkt ausgedrückt. 

Im Neuen Testament steht nur bei Lukas (1,39 ff.) folgende Geschichte: 

„Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 
Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter." 
 

Maria besucht
Elisabeth,

14. oder 15. Jahrhundert, Zypern

Zwei Frauen begegnen sich, beide sind schwanger. Maria besucht Elisabeth. 
In dem Text und in den mittelalterlichen Bildern geht es nicht vor allem um diese beiden Frauen, sondern darum, dass Johannes im Leib von Elisabeth auf Jesus - den Herrn - mit freudiger Bewegung reagiert. Dieser Lukastext (der auf die Erzählung der Verkündigung folgt) wendet zum ersten Mal den Titel Herr-Kyrios auf Jesus an. Elisabeth, die als geistbegabte Frau beschrieben ist, verweist auf den kommenden Christus. Hier ist also die Parallele zu dem Begriff Heimsuchung durch Gott. 
Die Darstellung der Begegnung von Maria und Elisabeth gehört seit dem 
6. Jahrhundert zu den Zyklen des Marienlebens und der Kindheit Jesu. 
Schon im 13. Jahrhundert wird das Fest Mariae Heimsuchung (durch den Franziskanerorden betrieben) eingeführt. Das Fest steht im Generalkalender am 
31. Mai und wird im deutschen Sprachgebiet am 2. Juni gefeiert.
Im gleichen Jahrhundert förderte der Zisterzienserorden das „Rosarium", ein Wiederholungsgebet mit der Meditation über die Freuden Marias.
„Den du Jungfrau zu Elisabeth getragen hast",
heißt eine Betrachtung des freudenreichen Rosenkranzes, der in der heutigen Form erst im 15. Jahrhundert entstanden ist. 

In den frühen bildlichen Darstellungen wird durch vielerlei Mittel betont, dass die Hauptperson des Ereignisses das Kind im Leib Marias ist, bis zu den spätmittelalterlichen Werken, in denen die beiden ungeborenen Kinder sichtbar gemacht werden. 

Unser Bild stammt aus der Kirche „Timios Stavros" in Pelendri auf Zypern. 
In dieser Kirche ist das Leben der Muttergottes als Zyklus nach dem apokryphen Jakobsevangelium dargestellt (14. oder 15. Jahrhundert). Johannes im Leib von Elisabeth verneigt sich vor dem künftigen Erlöser der Welt. Die Darstellung der beiden Kinder ist für byzantinische Fresken ungewöhnlich. 

In der nachmittelalterlichen Kunst wird stärker die Begegnung der beiden Frauen betont. Wieweit diese Darstellung die Menschen angesprochen hat, zeigen Grafiken von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz zu dem Thema. 
 

Literatur: 

Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. _ Berlin, 1963 

Marienlexikon / hrsg. im Auftr. des Institutum Marianum. _ St. Ottilien, 1988 

Konkordanz zur Elberfelder Bibel. _ Wiesbaden, 1993 

Große Konkordanz zur Einheitsübersetzung der Bibel. _ Stuttgart, 1996

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