PFARRBRIEF ST. GEREON     Weihnachten 2001
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Heim-gesucht

 

„Ich stehe vor der Tür 
und klopfe an. 
Wer meine Stimme 
hört und 
die Tür öffnet, 
bei dem werde 
ich eintreten." 

(Offenbarung 3,20)

Heimsuchung
von Marion Th. Lang 


„Gedenke meiner, oh Herr, nach der Huld, die du hast für dein Volk, 
mit deiner Hilfe suche mich heim." (Psalm 106,4) 

So übersetzt Guardini die Worte des Psalmisten. 

„Bring mir Hilfe und suche mich auf." 

So heißt es in der Einheitsübersetzung. 

An vielen Stellen findet sich im Ersten Testament das Wort „Heimsuchung" für Gottes Wirken in seinen Auserwählten, während die späteren Übersetzer das Gemeinte anders formulierten. 

„Gott wird euch heimsuchen und in dieses Land hinaufführen, in das Land das er Abraham verheißen hat." (Gen 50,24) 

Heute liest man: „Gott wird sich euer annehmen." 
 
 

Die heilige Familie 
mit zwei Engeln,

Albrecht Dürer um 1500

Die Übersetzungen der Bibel unterscheiden sich natürlich immer voneinander. 
Aber hier scheint es fast kein Zufall zu sein, denn seltsamerweise hat das Wort „Heimsuchung" für uns heute eine völlig gegenteilige, negative Bedeutung. 
Ob sich dieser Wandel erklären lässt? 

Die Geschichte des Heils wird in der Hl. Schrift immer als Heimsuchung dargestellt, die dem auserwählten Volk zuteil wird - deutlich in der bewegenden Erzählung, da Gott Abraham im wörtlichen Sinn in seinem Zelt „heimsucht" in Gestalt von drei Männern und bei ihm und Sara zu Gast ist. (Gen 18,1) 

Das Erste Testament ist erfüllt von Jahwe, der sein Volk beschützt und liebt. 
Als die endgültige Heimsuchung am Ende der Zeiten kündigen die Propheten den „Tag Jahwes" an. 

„Am Tag der Heimsuchung werden die Gerechten erstrahlen 
und der Herr wird auf immer herrschen." (Weish 3,7) 

„Beim Endgericht" - heißt es in der Einheitsübersetzung. 

Diese Verheißung sollte sich erfüllen im Erscheinen Jesu. Im Stall von Bethlehem ist Gottes Liebe in die Gottferne und Gottsuche der Menschen aller Völker und Zeiten eingebrochen. 

Wer bereit ist, sich zu öffnen und davon heimsuchen zu lassen, feiert die Wirklichkeit der Weihnacht für sein eigenes Leben. 

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" - 
auf was wir in der Dunkelheit des Advent warten, will in dem strahlenden Licht der Hl. Nacht von uns eingelassen werden. 
Vor fast 3000 Jahren hat es Jesaja, der Prophet, verkündet:
„Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herren geht leuchtend auf über dir". (Jes 60,1)

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