PFARRBRIEF ST. GEREON     Herbst 2001
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Danken

Ich will
Dir danken
aus ganzem Herzen,
verkünden will ich all Deine Wunder.

Psalm 9,2

Erntedank überholt?
von Hanns Courth

Gerne erinnere ich mich noch an die Erntedankfeste in der Nachkriegszeit. 
Der letzte Erntewagen wurde festlich geschmückt, die Pferde mit bunten Bändern behangen und hoch oben auf dem Wagen die große Erntekrone und jede Menge junges Volk war dabei. Und es wurde gefeiert - eine schwere und arbeitsreiche Zeit war vorbei, in der alle ihr Letztes gegeben hatten.

Bei uns waren immer ca. 20 Leute notwendig, um die Ernte zu bergen. Dann kam der Mähdrescher und es wurden immer weniger Menschen gebraucht, um die Ernte einzufahren. Heute sind es, obwohl die Fläche mehr als doppelt so groß ist, nur noch zwei! Die körperliche Arbeit ist fast ganz in den Hintergrund getreten. Mähdrescher mit klimatisierten Kabinen und hoher Flächenleistung erledigen die Arbeit in kürzester Zeit.
Während früher in den Monaten Juli und August das Wetter darüber entschied, ob genug Korn für das Brot und Futter für das Vieh gewonnen werden konnte, bezahlt heute die EG fast die Hälfte des Einkommens der Bauern. Es scheint so, als würden wir nicht mehr gebraucht. Wir in Europa können überall auf der Welt Getreide bzw. Lebensmittel kaufen. Es ging ja soweit, dass auf dem Höhepunkt der BSE-Hysterie Rindfleisch aus Botswana eingeführt wurde!

Ist es also überflüssig geworden, für eine gute Ernte zu danken? Viele unserer Mitmenschen haben ja den Bezug zum Danken verloren. Wie viele Menschen - Christen - sprechen heute noch nach dem Essen ein Dankgebet?

Alles ist selbstverständlich vorhanden, ein Mangel ist jedenfalls bei uns nicht sichtbar.
Und doch - in dieser scheinbar unendlichen Fülle von Nahrungsmitteln erreichen uns Nachrichten über Naturkatastrophen, durch die ganze Ernten vernichtet werden, z.B. zur Zeit eine ungewöhnlich große Trockenheit in Mittelamerika. Täglich sterben ca. 25.000 Menschen weltweit an Hunger bzw. Mangelernähung.

Warum also danken? Wer als Bauer das Wachstum der Pflanzen und Tiere über das Jahr hin beobachtet und begleitet, stellt ganz schnell fest, dass nur ein Teil des Erfolges auf eigenen Leistungen beruht, der andere aber durch äußere Einflüsse bedingt wird, wie Wetter usw., uns also geschenkt wird.
Ich habe erlebt, wie in Hungergebieten die Leute ihre kärgliche Ernte vor den Altar brachten und dankten, mit dem Versprechen, das wenige noch zu teilen.
Vielleicht sollten auch wir unseren Dank mit dem Versprechen des Teilens verbinden - dass wir denen abgeben, die weniger haben.

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