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"Danke"
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von Marion Lang
Noch nie
hatte ich in das Buch geschaut, das in der Kapelle der Pieta im Vorraum
unserer Kirche ausliegt. Als ich es zum erstenmal tat, las ich eine italienische
Eintragung, die mich berührte:
„Lieber Jesus, ich danke dir, dass es meiner
Familie und mir so gut geht und wir glücklich sind. Laß uns
in unserem Glück bleiben. Jesus, ich werde immer an dich glauben.
Danke, dass ich da bin. Amen."
Da fiel mir der Satz ein, den Reinhold
Stecher, Altbischof von Innsbruck, einmal von einem „weisen Mann" zitierte.
Es sei das Unglück des Atheisten,
dass er nicht wisse, wem er danken solle. Denn
wer „danke" sagen will, braucht ein „Du"
- zu einem „Es" kann man nicht danke sagen. Stecker spricht in seinem wunderschönen
Bergbuch von einem „Geschenkerlebnis des Daseins" in der Natur, obwohl
manchmal gesagt würde, der Mensch von heute könnte durch die
technisch manipulierte Natur in ihr keinen Zugang mehr zu Gott finden.
Aber als Bergsteiger habe er viele getroffen, bei denen es anders war.
Etwa bei einem Sonnenaufgang im Hochgebirge.
„Das Faszinierende ist der große
Eroberungszug des Lichts. Wenn steigende Helle auf den Gletschern rosarote
Teppiche ausbreitet und auf den Firngraten Feuer anzündet."
Stecher hat recht:
solche Morgenstunden begleiten denjenigen,
der sie erleben durfte - und ich gehörte schon oft dazu - durch das
ganze Jahr. In solchen Augenblicken, die den Atem stocken lassen, kann
man nur „danke" sagen. Aber noch viel mehr mag die Erfahrung des eigenen
Daseins dazu führen. Wenn ich auf die vielen kleinen und großen
Mosaiksteinchen meines Lebens zurückschaue, fällt mir nur „danke"
ein - selbst wenn ich es nicht immer sofort erkannte.
Doch sogleich denke ich an all die Menschen,
deren Leben von unendlich viel Leid und erfahrener Gewalt überschattet
ist. „Danken, wofür?" würden sie jetzt sagen.
Und die immer wiederkehrende Frage nach
dem quälenden Warum macht den Gesprächspartner hilflos - es gibt
keine Antwort. Da bleibt nur, für den anderen zu beten, dass er doch
irgendwann aus seiner großen Bitterkeit finden möge.
Wir können hoffen, dass alle einmal
die Stunde erleben dürfen, in der die „siegreiche Sonne das Dunkel
auflöst " - wie Bischof Stecher sagt.
Ich stelle mir vor, dass Maria erst am
Ostermorgen ihren durchlittenen Karfreitag
ganz begreifen konnte.
Und ich glaube daran, dass an unserem
Ostermorgen alle ohne Einschränkung ihr „danke" sagen können.