PFARRBRIEF ST. GEREON     Herbst 2001
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Danken

Ich will
Dir danken
aus ganzem Herzen,
verkünden will ich all Deine Wunder.

Psalm 9,2

Über Dankbarkeit
von Dr. Ekkehard Pohlmann, 58 Jahre, Redakteur WDR, Köln

Die Nachkriegsgeneration, meine also, wurde dazu erzogen, sich ständig dankbar zu

zeigen. Im Westen: Gott, den Eltern; im Osten: dem sozialistischen Staat, der Partei.
Das verstand sich von selbst, so sehr, dass in Ost und West eines übersehen wurde.
Dankbarkeit dagegen setzt eine gewisse Abhängigkeit voraus. Der Philosoph ImmanuelKant hat das klar benannt: „Dankbarkeit ist eigentlich nicht Gegenliebe des
Verpflichteten gegen den Wohlthäter, sondern Achtung vor demselben. In der Dank-barkeit steht der Verpflichtete um eine Stufe niedriger als sein Wohlthäter.“ – Der Protest der 68-er, auch meiner also, setzte unter anderem an diesem Punkt an: eine Stufe niedriger? Nein, lieber doch auf der gleichen Stufe. Bloß keine Abhängigkeit! Es ging uns darum, auf uns selbst gestellt zu leben, ohne die alten, starren Hierarchien. Eigenverantwortung. Ich nehme mein Leben selbst in die Hand.
Es ist nämlich überhaupt nicht immer angenehm, jemandem dankbar zu sein. Dankbarkeit verpflichtet. Aber auch umgekehrt spüre ich ein Unbehagen, wenn ein anderer mir dankbar ist. Eine Stufe höher - das muss auch nicht sein. Dank wird abgewehrt: „Das ist doch jetzt nicht nötig! Ist doch ganz unwichtig.“ Dankbarkeit sei
etwas Schönes, eine Tugend gar? Ich weiß nicht. Dankbarkeit setzt in beiden Richtungen eine Beziehung voraus, mit der ich meine kleinen Schwierigkeiten habe.
Aber muss das sein, dieses leichte Unbehagen? Sprachforscher wissen, dass die Verben „danken“ und „denken“ denselben Wortstamm haben, der eine Tätigkeit der
Geistes oder des Seele bezeichnet. Ich sehe da einen Wink der Sprache: Wer bereit
ist, genauer nachzudenken, kann Anlässe für Dankbarkeit entdecken. Es steht uns
eben nicht alles wie selbstverständlich zu, was wir besitzen oder erleben oder erreichen im Leben. Dankbar werden durch Nachdenken: das wär’s.
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