Das Gereonsviertel


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Stellungnahme zu den Planungen im Gerling-Areal

Die innerstädtische Zentrale des ehemaligen Gerling Konzerns liegt auf dem Pfarrgebiet der Gemeinde St. Gereon in unmittelbarer Nachbarschaft der romanischen Basilika St. Gereon.

Als Gemeinde verstehen wir uns als Anwalt der menschlichen und steinernen Nachbarn des zu beplanenden Gebietes. Grundsätzlich begrüßt die Gemeinde, dass das Areal des ehemaligen Gerling-Konzerns neu gestaltet und mit Wohnungen, Geschäften und Büros belebt werden soll. Gleichzeitig bestehen große Befürchtungen, die wir in diesem Schreiben zum Ausdruck bringen wollen und vor allem in der Forderung nach respektvollem Umgang zusammengefasst werden können.


Die romanische Kirche St. Gereon, als ein einzigartiges Bauwerk im Ensemble der romanischen Kirchen, verlangt eine respektvolle Nachbarbebauung. Dies verstehen wir zum einen im Hinblick auf die Wahrung der Sichtbeziehungen zur Gladbacher- und Christophstrasse hin: Die Neuplanungen auf der Christophstrasse sind wesentlich zu hoch und müssen sich an den Höhen der bestehenden Bebauung orientieren; es kann aber nicht sein, dass  unter der bestehenden Bebauung ein einziges, denkmalgeschütztes Haus in seiner Höhe zum kommenden Maßstab genommen wird. Allein dieses Denkmal ragt aus der einheitlichen Platzrandbebauung heraus.
 

Zum anderen erwarten wir Respekt in Bezug auf die Gestaltung des Gereonsklosters. Der Platz vor der Basilika darf weder durch unmaßstäbliche Bebauung in seiner Wirkung nachteilig beeinflusst werden, noch darf das ehemalige historische Archiv durch zu hohe Bauten bedrängt werden.

Auch die ehemalige Kapelle der Stiftung Van-Gils darf nicht, wenn sie denn überhaupt freizustellen ist, durch eine zu hohe Umbauung gleichsam in einem Schacht verschwinden.

 

Das Gerling Areal befindet sich nicht auf einer Freifläche, sondern ist Teil des Gereonsviertels. Hier ist den Anwohnerinnen und Anwohnern der nötige Respekt zu erweisen.

Die Neuplanungen haben Rücksicht zu nehmen besonders auf die Menschen, welche als unmittelbare Anlieger durch Neuplanungen übermäßig benachteiligt werden.

Ebenso ist die Sorge der Bewohnerinnen und Bewohner bezüglich der Verkehrssituation ernst zu nehmen und die Verkehrsströme des bestehenden Viertels in die Planungen deutlicher als bisher mit einzubeziehen.

Bei den bevorstehenden Baumaßnahmen, muss die Situation der Nachbarn bedacht werden und entsprechend verträgliche  Bau- und Abrißverfahren eingesetzt werden.

 

Die Bebauung des ehemaligen Gerling-Konzerns steht in weiten Teilen unter Denkmalschutz. Zum Respekt vor der Geschichte gehört die Bewahrung von Gebäuden, welche von dieser Geschichte Zeugnis geben. Der Denkmalschutz hat die Aufgabe diesem Anliegen Ausdruck zu geben. Der Denkmalschutz darf nicht vorschnell aufgegeben werden und Gebäude durch so genannte Weiterentwicklung nicht ihrer Zeugniskraft beraubt werden.

 

Wir erwarten von den Politikerinnen und Politikern, dass sie sich in geeigneter Weise unserer Anliegen annehmen und sich für die Belange der Bürgerinnen und Bürger einsetzen.

 

Andreas Brocke,
Pfarrer an der Basilika St. Gereon zu Köln.


Die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln berichtet in seiner Ausgabe vom Freitag, 16. Mai 2008


Welchen Wert hat unser historisches Erbe?
Kölner Kirchengemeinde wehrt sich gegen Hochhäuser im Umfeld der Kirche St. Gereon




Nach der Aufstockung der Gebäude an der Christoph-straße wird von St. Gereon nicht mehr viel zu sehen sein, so die Befürchtungen der Pfarrgemeinde. 
Foto: Boecker

KÖLN. Seit Jahrhunderten prägten und prägen Kirchen mit ihren oftmals hohen Türmen als Fingerzeige Gottes unsere Städte und Dörfer. Das dies auch in Zukunft so sein soll, darum bemüht sich zur Zeit die Kölner Pfarrgemeinde St. Gereon angeführt von ihrem Pfarrer, Dechant Andreas Brocke. Seit Monaten wird im Viertel rund um die romanische Kirche St. Gereon eifrig gebaut. Alte Bürobauten und Wohnhäuser wurden abgerissen und durch Neubauten, die zurzeit in den Himmel wachsen, ersetzt. Dass diese Häuser in den Himmel zu wachsen scheinen ist genau der Punkt, an dem sich der Unmut von Dechant Brocke und vielen anderen Freunden von St. Gereon entzündet. „Wenn die bestehenden Baupläne nicht verändert und die Höhen der Gebäude nicht verringert werden, dann wird die Blickachse auf die weltberühmte Kirche stark beeinträchtigt“, beschreibt Brocke das Problem. Eingepfercht zwischen Gebäuden, die so hoch wie oder höher als die Kirche sind, verliere St. Gereon viel von seiner Wirkung. „Welchen Respekt bringt eine Stadt ihrem historischen Erbe entgegen?“, fragt Brocke und erinnert daran, dass man in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg sehr bewusst darauf geachtet habe, dass die romanischen Kirchen dominierende städtebauliche Merkzeichen blieben und sich der Maßstab der sie umgebenden Bebauung ihrem Bauvolumen unterordnete.

Sollte die bestehenden Pläne umgesetzt und die unverhältnismäßig hohen Gebäude in Nachbarschaft der Kirche hochgezogen werden, würde eine der wichtigen Blickachsen auf die Basilika wesentlich beeinträchtigt und die städtebauliche Bedeutung und Funktion dieses einmaligen Baudenkmals wesentlich geschwächt. „Die Strahlkraft der für die Kölner Bürger und Besucher so wichtigen Kirche wird stark beeinträchtigt und der Kommerzialisierung des städtischen Raumes geopfert“, zitierte Brocke aus einem Schreiben des Leiters der Hauptabteilung Seelsorgebereiche im Generalvikariat, Prälat Hans-Josef Radermacher an den zuständigen Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt, Andreas Hupke. Brocke machte deutlich, dass man sich nicht grundsätzlich einer baulichen Umgestaltung des Gereonsviertels verschließe. Vieles, was der Investor plane, sei begrüßenswert. Die Gretchenfrage stelle sich jedoch, wenn es darum geht, „welchen Respekt bringt man den lebenden und den steinernen Nachbarn entgegen?“ Als Kirchengemeinde sei man zum Schutz des Baudenkmals verpflichtet, gibt sich Brocke kämpferisch. Ziel sei es, eine Änderung des vom Rat der Stadt genehmigten Bebauungsplanes zu erreichen. Brocke lädt deshalb alle Gemeindemitglieder, Freunde von St. Gereon und alle, die an dieser grundsätzlichen und nicht nur in Köln relevanten Frage Interessierten ein, am kommenden Montag, 19. Mai um 19 Uhr in die Halle Globale am Hildeboldplatz in Köln zu kommen. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung an der Bauleitplanung wird das Bebauungskonzept des Gereonsviertels den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt und Gelegenheit gegeben, Vorschläge zur Planung zu machen.
ROBERT BOECKER


Last Update: 25.04.12 16:12  H. Wolfgarten