Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom Freitag, 19. März 2010


Kompromis fürs Gerlingviertel

Bebauungsplan: Vertreter der Bürgerinitiative zeigen sich von Verwaltung enttäuscht

VON RAINER RUDOLPH



Diesen Kompromiss hätte man auch im Oktober schon erreichen können Karl R. Kegler Sprecher der Bürgerinitiative


BILD: CHRISTHOV HENNES

Das Gerlingviertel, einstige Büro-Hochburg der inzwischen von der HDI übernommenen Versicherung, kann in ein Wohnviertel der gehobenen Klasse umgebaut werden. Dazu haben CDU, SPD, Grüne und FDP mit einem einstimmigen Beschluss im Stadtentwicklungsausschuss den Weg freigemacht. Sie verabschiedeten einen Bebauungsplan, in den Kritikpunkte der Bürgerinitiative Gereonsviertel ebenso eingeflossen sind wie Zugeständnisse, die der Projektentwickler Frankonia Eurobau machte. Die Lösung war in intensiven Vorgesprächen mit allen Beteiligten erreicht worden. Wenn der Rat dem Beschluss am Dienstag folgt, steht dem Baubeginn zum l. April politisch nichts mehr im Wege.

Die Veränderungen betreffen vor allem den Bereich Gereonskloster, um den die Bürgerinitiative hart gekämpft hatte. So soll der neue Bürokomplex, der künftig den nordwestlichen Zugang zu dem kleinen Platz von der Gereonstraße abriegelt, nicht so nahe an das ehemalige Gebäude des Historischen Archivs herangerückt werden, wie ursprünglich vorgesehen. Der Durchgang wird nun 5,01 Meter breit statt 3,60 Meter. Auch wird das Gebäude optisch verkleinert, indem das darauf aufsitzende Staffelgeschoss weiter zurückgesetzt wird. Ähnliches gilt für den Neubau an der südwestlichen Ecke des Platzes. Diese Zusagen hätte der Projektentwickler in einem „rechtsverbindlichen Schreiben" getroffen.

Baudezernent Bernd Streitberger lobte die „neue städtebauliche Fassung", die das Gereonskloster damit gewinne. Da der Platz von Gebäuden sehr unterschiedlicher Höhe umgeben ist, sei es darauf angekommen, die Bebauung so zu „homogenisieren", dass ein geschlossener Eindruck entstehe. Daher habe man sich für einen mittleren Wert der Traufhöhe von 68,6 Meter über NN entschieden.
Dies hatte die Bürgerinitiative kritisiert, weil sie darin einen Verstoß gegen das Höhenkonzept der Stadt sah. Dies begrenzt die Höhe von Neubauten in der Kölner Innenstadt, insbesondere im Bereich der romanischen Kirchen wie St. Gereon. Streitberger betonte jedoch, dass das Höhenkonzept erst durch die Bebauungspläne verbindlich werde. Dies unterstrichen auch der Ausschussvorsitzende Karl Jürgen Klipper (CDU) und Barbara Moritz von den Grünen.

Vertreter der Bürgerinitiative äußerten sich vor allem enttäuscht von der Verwaltung, die den Vorgang erschwert und verzögert habe. Ihr Sprecher Karl R. Kegler: „Diesen Kompromiss hätte man auch im Oktober schon erreichen können." Nach wie vor halte man die Gestaltung des Gereonsklosters für „städtebaulich nicht gut".
 

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom Dienstag, 16. März 2010


Bürger fürchten: St. Gereon wird zugebaut

Höhenkonzept: Verwaltung lässt Einwände nicht gelten - Ausschuss entscheidet

VON PETER BERGER



Das ist so, als würde ich die Größe eines Menschen
nicht am Scheitel, sondern an der Schulter messen wollen.


BILD: 10 Schwarz

Die Bürgerinitiative Gereonsviertel hält ihre Kritik an der Bauplanung für den Gereonshof und das Gerling-Viertel aufrecht. Sie kritisiert, dass die geplanten Neubauten an St. Gereon deutlich zu hoch werden und fürchtet um die Wirkung der romanischen Kirche. Die Stadtverwaltung hat eine Beschlussvorlage vorgelegt, in der keinem einzigen Einwand der Bürger zu den Höhen gefolgt wurde. Die Bezirksvertretung Innenstadt hat der Vorlage in der vergangenen Woche mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP zugestimmt, jetzt muss das Projekt noch die politischen Hürden im Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag, 18. März, und im Stadtrat am Dienstag, 23. März, nehmen.


Die Planungen verstoßen nach Auffassung der Bürgerinitiative gegen den Ratsbeschluss vom Mai 2007. Das so genannte Höhenkonzept, beschlossen von SPD und Grünen, regelt, dass Neubauten im Umfeld der romanischen Kirchen nicht höher sein dürfen als das Hauptschiff. Wenn die bereits vorhandene Bebauung niedriger ist, muss sich ein Neubau daran orientieren. Genau dies ist bei St. Gereon nicht der Fall. „Die Traufkante, die eingehalten wird, ist mit der Maximalhöhe nicht vergleichbar", sagt Karl R. Kegler, Sprecher der Bürgerinitiative. „Das ist so, als würde ich die Größe eines Menschen nicht am Scheitel, sondern an der Schulter messen wollen."


Der Begriff „Maximalhöhe" sei im Höhenkonzept eindeutig definiert. „Dass sich die Verwaltung an den absolut klar formulierten Ratsbeschluss hält, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Der jetzige Entwurf tut dies nicht."


Für Unmut bei den Anwohnern sorgt auch die städtebauliche Planung.
Nach Auffassung der Initiative werden die Neubauten derart dicht an das neugotische Gebäude des alten Stadtarchivs heranreichen, dass es kaum mehr zur Geltung kommen werde. Der Projektentwickler für das Gerling-Areal, die Frankonia Eurobau, habe 18000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche gefordert. Das entspreche zwei weiteren Geschossen am Gereonskloster, erzeuge „erhebliche Probleme" und mache es unmöglich, das Höhenkonzept einzuhalten.

www.gereonsviertel.de

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Last Update:20.03.10 13:51  

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