Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom Mittwoch, 15. Juli 2009


"Bürger sorgen sich um St. Gereon"
Initiative kritisiert die Neubaupläne für das Gerling-Viertel - Höhenkonzept missachtet


Anwohner fordern einen  "respektvollen" Umgang 
mit der Basilika und dem Platz am Gereonskloster

VON PETER BERGER

BILD: 10 Schwarz

Im Gereonsviertel formiert sich der Bürgerprotest gegen den Umbau des Gerling-Quartiers, Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für den Erhalt des Umfelds der romanischen Kirche
St. Gereon sorgt. Ihr Vorwurf; Die Stadtverwaltung missachtet in ihrem Entwurf zum Bebauungsplan für das neue Wohnquartier das Höhenkonzept für die Innenstadt, das im Mai 2007 im Stadtrat mehrheitlich verabschiedet wurde.

Dort sind so genannte Wirkungsfelder rund um den Dom und die romanischen Kirchen definiert. Inner­halb dieser Felder muss sich eine neue Bebauung nach der Traufkante der Kirche richten. Sind bestehende Bauten niedriger als die Traufkante, müssen Neubauten an dieser Hohe ausgerichtet werden,

„Als wir diesen Ratsbeschluss im Detail nachgelesen haben, waren wir wie vor den Kopf geschlagen", sagt Karl R. Kegler. Mitglied der Bürgerinitiative. Der Ratsbeschluss ist aus ihrer Sicht eindeutig: „Rund um St. Gereon darf nicht höher gebaut werden als der Bestand" Die aktuelle Planung dagegen sei nicht nur wesentlich höher, sie beinhalte auch Zusatzgeschosse, die die Traufe von der Kirche um dreieinhalb Meter überragen dürfen.

Auf diesen Zusatzgeschossen seien noch ein­mal zusätzliche Dachausstiege von zwei Metern Höhe erlaubt. „Aus unserer Sicht bedeutet das, dass die geplante Bebauung fünfeinhalb Meter höher sein kann als das Hauptschiff der Kirche", so Kegler.
Die Anwohner fürchten um die Fernwirkung von St. Gereon und darum, dass der Platz am Gereonskloster durch zu hohe Bauten er­würgt wird. Dann sieht das hier bald so aus wie m der Kulisse für einen Batmanfilm."


Die Bezirksvertretung  Innenstadt und der Stadtentwicklungsausschuss haben den Bebauungsplan-Entwurf einstimmig passieren lassen. Bei der Bürgeranhörung gab es die ersten Proteste, jelzt liegen
200 Einwände vor.

Auch
die Bürgerinitiative hat eine ausführliche Stellungnahme eingereicht.
Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamts, bestätigt, dass es einen Widerspruch zwischen dem Höhenkonzcpt und der geplanten Bebauung gibt. Es habe vor der Neuplanung des Gerling-Quartiers aber zwei Workshops und zwei Wettbewerbe gegeben, „die zum Teil zeitlich vor der Verabschiedung des Höhenkonzepis lagen", so Müller. In dem Verfahren sei immer wieder beiont worden, dass man dem Innenstadt viertel „besondere Entwicklungspotenziale" zugestehen müsse.

Mit Eva Bürgermeister (SPD), Karl-Jürgen Klipper (CDU), Barbara Moritz (Die Grünen) und Ralph Sterck (FDP) hatten vier Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses im Preisgericht gesessen.

Das Architekturbüro, Kister, Scheithauer, Gross war im Oktober 2007 als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen.
„Wir sind keine Verhinderer. Wir wollen nicht, dass im Gerling-Viertel für immer das Licht ausgeht", sagt Kegler. Aber offenbar habe sich über den Bereich um die Basilika St. Gereon „niemand besondere Gedanken gemacht", Die Bürgerinitiative fürchtet, „dass von den neun großen alten Bäumen am Gereonskloster und seinen Zugängen nur ein einziger stehen bleiben" wird. Die anderen müssten einer Tiefgarage weichen. Auch sehen die Pläne vor, dass zwei von vier Zugängen zum Platz geschlossen werden. Das Gereonskloster, so die Kritik weiter, sei in seiner Gesamtheit noch niemals städtebaulich untersucht worden. Es gebe weder eine Darstellung im Stadtmodell noch eine Skizze, die die neuen Bauhöhen auf St, Gereon illustriert. „Die haben wir selbst an­fertigen müssen", sagt Kegler.

Die Bürgerinitiative fordert, dass die Stadt „erst einmal ihre eigenen Vorgaben bei den aktuellen Planungen berücksichtigt". Außerdem regt sie an, den Platz am Gereonskloster „in seiner Gesamtheit in einem vertieften städtebaulichen Gutachterverfahren zu überprüfen".   

Rücksicht auf Menschen nehmen.
PFARRER BROCKE
 

Pfarrer Andreas Brocke von St. Gereon sagt:

„Das Gerling-Areal befindet sich nicht auf einer Freifläche, sondern ist Teil des Gereonsviertels. Wir erwarten einen respektvollen Umgang mit dem einzigartigen kulturellen Erbe der romanischen Basi­lika und seiner Umgebung und Rücksicht auf die Belange der Menschen, die das Gereonsviertel bis­lang geprägt haben." Für die weitere Entwicklung Kölns sei diese Planung an St. Gereon von größter Bedeutung. denn sie ist ein Testfall. wie man mit den Festlegungen des Höhenkonzepts umgeht, so die Bürgerinitiative.
Letztlich müssen der Städtentwicklungsausschuss und der Rat über den Bebauungsplan und damit darüber entscheiden, wie mit den Einwänden verfahren wird.   Kommentar

Presseberichte-Übersicht Virtueller Rundgang durch die Basilika
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Last Update:16.07.09 11:43  

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