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Innenstadt -
Ruhig war es am Wochenende im Versicherungs- und Bankenviertel
rund um die Basilika St. Gereon. Erst auf den zweiten Blick
wurde deutlich, dass sich im Laufe der Jahre zwischen den
nüchternen Bürogebäuden zahlreiche Galerien und kleinere Läden
angesiedelt haben, die außergewöhnliche kulturelle Schätze
bergen. Auf diese Vielfalt machte zum sechsten Mal die
„Kunst-Reise an St. Gereon" aufmerksam, eine private
Initiative unabhängiger Galerien im Viertel. Neben der Basilika
St. Gereon hatten neun Kunst- und Ausstellungsräume vom „Klingelpütz"
bis zur Straße "Auf dem Berlich" am Sonntag von 11 bis 16 Uhr
ihre Türen für interessierte Besucher geöffnet. Die
Ausstellungen ermöglichten auf einer kurzen Wegstrecke ganz
ungewöhnliche Einblicke und Hörerlebnisse - von Glaskunst über
Malerei und Bildhauerei bis hin zu sakraler Kunst und
Klang-Performances.
Besondere Erinnerungen nahmen sicherlich die Besucher des „Litharion"
mit nach Hause. Geschäftsinhaber Christian Heyde hatte den
Waldbröler Klangkünstler Jochen Fassbender eingeladen, der mit
seinen außergewöhnlichen Klangobjekten schon auf dem Gehweg vor
dem Geschäft für Aufmerksamkeit sorgte. „Ich versuche, Klänge
für alle Sinne erfahrbar zu machen", erklärte der 48-Jährige
seine künstlerische Arbeit. Dafür hatte er eine Resonanzwiege
gebaut, einen 1,70 Meter langen Holzkasten, der frei schwingend
in einem Metallgestell aufgehängt war. Darunter befand sich ein
spezielles Kupferrohr, dessen Klang genau auf den Resonanzkasten
abgestimmt ist. Wer sich auf den Kasten legte, spürte plötzlich
den Ton des Kupferrohrs, das Fassbender mit einem großen
Klöppel anschlug, im gesamten Körper. Ursula und Helmut Thelen
aus
Pesch waren davon beeindruckt:
„Wir finden die Kunst-Reise ganz toll, waren auch schon letztes
Jahr dabei. Es ist einfach interessant, was geboten wird."
Geschäftsinhaber Christian Heyde war selbst begeistert über die
gemeinsame Aktion der unterschiedlichen Galerien.
„Es ist spannend, welche künstlerische Bandbreite während dieser
Veranstaltung zu erleben ist."
Zu einem Höhepunkt der Kunst-Reise zählte sicherlich die
Ausstellung
„Erika Freund. Bildschöpfungen für St.
Gereon 1930-1935".
Sie ist aber auch weiterhin, bis zum 18. September, im Hochchor
der Kirche zu sehen. Erstmals sind sämtliche Kirchengewänder
ausgestellt, die die Kölner Textilkünstlerin in den 30er Jahren
des 20. Jahrhunderts für die Gemeinde schuf und die heute noch
zu besonderen Anlässen getragen werden.
Für Gudrun Sporbeck vom „Institut für historische Textilien
Köln", die die Ausstellung erarbeitete, gehört Freund, über
deren Leben und Arbeit in Köln nur bruchstückhafte Daten
vorliegen, zu den herausragenden Persönlichkeiten der sakralen
Kunst im Köln des vergangenen Jahrhunderts.
Pfarrer Andreas Brocke bemerkte kritisch: „Wir haben anlässlich
der Kunst-Reise einen kulturellen Schatz zu bieten, der das
eigentliche Zentrum des Gereonsviertel darstellt.
Das wird bei den jüngsten Diskussionen um die Hochhausbauten
hier im Viertel viel zu oft vergessen." |