Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom 6. September 2005

KULTUR: Reise durch die Galerien des Gereonviertels.

Kunstschätze im Bankenviertel


Interessiert betrachten die Besucher die wertvollen Kirchengewänder, die die Textilkünstlerin Erika Freund in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für die Basilika St. Gereon gestaltete.
BILDER: CSABA PETER RAKOCZY

Bei der sechsten „Kunst-Reise
an St. Gereon" zeigten neun Galerien und die romanische Kirche selber ein vielfältiges Spektrum von angewandter bis bildender Kunst.

VON STEFFI MACHNIK

Innenstadt - Ruhig war es am Wochenende im Versicherungs- und Bankenviertel rund um die Basilika St. Gereon. Erst auf den zweiten Blick wurde deutlich, dass sich im Laufe der Jahre zwischen den nüchternen Bürogebäuden zahlreiche Galerien und kleinere Läden angesiedelt haben, die außergewöhnliche kulturelle Schätze bergen. Auf diese Vielfalt machte zum sechsten Mal die „Kunst-Reise an St. Gereon" aufmerksam, eine private Initiative unabhängiger Galerien im Viertel. Neben der Basilika St. Gereon hatten neun Kunst- und Ausstellungsräume vom „Klingelpütz" bis zur Straße "Auf dem Berlich" am Sonntag von 11 bis 16 Uhr ihre Türen für interessierte Besucher geöffnet. Die Ausstellungen ermöglichten auf einer kurzen Wegstrecke ganz ungewöhnliche Einblicke und Hörerlebnisse - von Glaskunst über Malerei und Bildhauerei bis hin zu sakraler Kunst und Klang-Performances.

Besondere Erinnerungen nahmen sicherlich die Besucher des „Litharion" mit nach Hause. Geschäftsinhaber Christian Heyde hatte den Waldbröler Klangkünstler Jochen Fassbender eingeladen, der mit seinen außergewöhnlichen Klangobjekten schon auf dem Gehweg vor dem Geschäft für Aufmerksamkeit sorgte. „Ich versuche, Klänge für alle Sinne erfahrbar zu machen", erklärte der 48-Jährige seine künstlerische Arbeit. Dafür hatte er eine Resonanzwiege gebaut, einen 1,70 Meter langen Holzkasten, der frei schwingend in einem Metallgestell aufgehängt war. Darunter befand sich ein spezielles Kupferrohr, dessen Klang genau auf den Resonanzkasten abgestimmt ist. Wer sich auf den Kasten legte, spürte plötzlich den Ton des  Kupferrohrs, das Fassbender mit einem großen Klöppel anschlug, im gesamten Körper. Ursula und Helmut Thelen aus
Pesch waren davon beeindruckt:
„Wir finden die Kunst-Reise ganz toll, waren auch schon letztes Jahr dabei. Es ist einfach interessant, was geboten wird."

Geschäftsinhaber Christian Heyde war selbst begeistert über die gemeinsame Aktion der unterschiedlichen Galerien.
„Es ist spannend, welche künstlerische Bandbreite während dieser Veranstaltung zu erleben ist."

Zu einem Höhepunkt der Kunst-Reise zählte sicherlich die Ausstellung
„Erika Freund. Bildschöpfungen für St. Gereon 1930-1935".
Sie ist aber auch weiterhin, bis zum 18. September, im Hochchor der Kirche zu sehen. Erstmals sind sämtliche Kirchengewänder ausgestellt, die die Kölner Textilkünstlerin in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Gemeinde schuf und die heute noch zu besonderen Anlässen getragen werden.

Für Gudrun Sporbeck vom „Institut für historische Textilien Köln", die die Ausstellung erarbeitete, gehört Freund, über deren Leben und Arbeit in Köln nur bruchstückhafte Daten vorliegen, zu den herausragenden Persönlichkeiten der sakralen Kunst im Köln des vergangenen Jahrhunderts.
Pfarrer Andreas Brocke bemerkte kritisch: „Wir haben anlässlich der Kunst-Reise einen kulturellen Schatz zu bieten, der das eigentliche Zentrum des Gereonsviertel darstellt.
Das wird bei den jüngsten Diskussionen um die Hochhausbauten hier im Viertel viel zu oft vergessen."

Presseberichteübersicht Pressebericht vom 5. April 2005

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Last Update:21.06.08 11:49  

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