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Der Kölner
Stadt-Anzeiger berichtet in der Sonderveröffentlichung Nr. 145 vom 26.
Juni 2001
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Internet-Auftritt
des Fördervereins
Virtueller
Gang durch vier Kirchen
Informationen
für Experten und Besucher - Geschichten und Anekdoten
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Am
24. August 2001 steht der Stadt Köln - in virtueller Form - nach der
Freischaltung der Dom-Intemet-Seiten ein weiteres Highlight ins Haus. Denn
von diesem Tag an werden vier romanische Kirchen Tag und Nacht - und weltweit
jederzeit - zu besuchen sein, und zwar unter folgender Intemetadresse:
www.romanische-kirchen-koeln.de
Anlass der Freischaltung
ist der 20. Geburtstag des Fördervereins Romanische Kirchen. Mit der
Aufgabe, das in seiner Größe einmalige Ensemble romanischer
Kirchen in Köln webfähig zu machen, betraute der Verein mit der
Cologne Digital GmbH ein Unternehmen, das zu den ausgewiesenen Experten
in der Darstellung historischer Gebäude gehört.
„Es war eine sehr
fordernde, aber auch sehr schöne Aufgabe", beschreibt lsabel Gronack-Walz,
die Geschäftsführerin von Cologne Digital, die knapp einjährige
Arbeit. „Uns ist es zu wenig, nur Bilder mit einigen erläuternden
Worten zu präsentieren - wir verfolgen einen Ansatz der Webpräsenz
von Bauwerken, der eine Gesamtschau zulässt. Das bedeutet z.B. für
die romanischen Kirchen, dass sich dort sowohl Kirchgänger als auch
Kunsthistoriker wieder finden können müssen." Noch etwas anderes
mache die Arbeit an den Kölner Projekten so spannend. Gronack-Walz:
„Die Kölner Stadtgeschichte ist voller Geschichten und Anekdötchen.
Diese werden auf den Internet-Seiten der romanischen Kirchen wieder zu
finden sein."
So etwa die Legende
um die Reliquie des hl. Severin. Severin, der an der Wende zum 5. Jahrhundert
Bischof von Köln war, soll - so die Legende - in seiner Geburtsstadt
Bordeaux gestorben und dort auch begraben sein. Bald danach brach eine
anhaltende Dürre in seiner Bischofsstadt Köln aus. Verzweifelt
zogen die Kölner nach Bordeaux, um einen Teil der Reliquien an den
Rhein zurück zu bringen - mit der Rückkehr der Reliquien fand
die Dürre ein Ende, der hl. Severin wird seither in Zeiten der Wassernot
angerufen.
Auch das Wunder
von St. Gereon wird nacherzählt. Bischof Evergisel litt unter unerträglichen
Kopfschmerzen. Der Sage nach wurde er durch Staub aus dem Brunnen in St.
Gereon von seinen Kopfschmerzen geheilt - ob dies auch virtuell möglich
sein wird?
Der Klapperstorch
spielte in Köln bei der Frage: „Wo kommen die Kinder her?" eine eher
untergeordnete Rolle, wie eine Legende zu St. Kunibert belegt. Danach
wurden die Kölner Babys aus einem Brunnen in St. Kunibert, dem Kunibertspütz,
geholt, auf dessen Grund, sie von einer gütigen Frau gehütet
werden. Unfruchtbare Frauen sollen deshalb von seinem Wasser trinken.
Um alle Informationen
auf einem gleich hohen Niveau anzubieten, ist der Ansatz interdisziplinär,
d. h., Experten aus verschiedenen Wissensgebieten arbeiten zusammen. Allerdings
virtuell, so dass Margrit Jüsten-Hedtrich und Dr Christoph Bellot
vom Förderverein, die für den Jnhalt Sorge tragen, nicht ihre
gewohnten Wirkungsstätten verlassen mussten. Eine Herangehensweise,
die den Förderverein überzeugte und diejenigen Fachleute, die
bisher in die „Werkstatt" Einblick nehmen konnten, von einer Materialfülle
und Informationsvielfalt schwärmen lässt. «
Realistischer
Eindruck
St. Severin, St.
Maria im Kapitol, St. Maria Lyskirchen und die anderen neun romanischen
Kirchen werden virtuell begehbar sein. Dies ermöglichen
360-Grad-Panoramen, die dem Betrachter im Internet einen annähernd
realistischen Eindruck des Kircheninnenraumes und seiner Atmosphäre
verschaffen. Er hat den Eindruck, sich um seine eigene Achse drehen zu
können, er kann nach unten oder oben schauen, kann sich, anders als
in der Realität, Ausschnitte „heranzoomen" und so die einzigartige
Schönheit einzelner Details genießen und sich die entsprechenden
Erläuterungen und Beschreibungen „herunter laden".
In romanischer Zeit
erlebte Köln eine der glanzvollsten Epochen seiner Geschichte. Durch
eine geschickte Wirtschaftspolitik wurde die am Kreuzpunkt mehrerer großer
Handelsstraßen gelegene Stadt eine der größten, reichsten
und mächtigsten Metropolen im nordwestlichen Europa. Köln,
seine Bürger und sein Klerus konnten die größten, prachtvollsten
und modernsten öffentlichen Bauten in Auftrag geben. In diesem beispiellosen
Bauboom entstand der Kranz der romanischen Kirchen, der jetzt Aufnahme
ins Internet findet - eine Fortsetzung des Engagements vieler Kölner
Bürger für ihre Heimatstadt.
Dabei griff das
"Expertenteam jedoch nicht nur auf vorhandenes Material zurück. Eigens
für die Internet-Präsenz wurden Bilder, Texte und
Grafiken neu erstellt. Diese helfen dem virtuellen Besucher besonders im
Bereich Architektur, wenn er sich über die Besonderheiten der Romanik,
ihre Entstehung und Formensprache informieren lassen will. Der Bereich
Geschichte dokumentiert ausführlich die wechselvolle Baugeschichte
der einzelnen Gebäude.
Verwandte des
Kaisers
Eine Zeittafel,
die wichtige Ereignisse und Begebenheiten in Zusammenhang mit der Geschichte
der romanischen Kirchen setzt, ermöglicht eine völlig neue Betrachtung
von Ereignissen und Verhaltensweisen auch für den Laien. So erfährt
man beispielsweise, dass eine Tochter des Pfalzgrafen Ezzo, die Äbtissin
Ida, Bauherrin von St. Maria im Kapitol ist. Ihr Bruder Herrmann war zur
gleichen» Zeit Erzbischof von Köln - und beide waren nahe Verwandte,
nämlich Nichte und Neffe von Kaiser Otto III. So lässt sich leicht
erklären, wie der künstlerische Reichtum einer der größten
romanischen Kirchen Kölns zustande kam. Selbst Papst, Leo IX., ebenfalls
ein Verwandter der Ezzonen, konnte sich diesem Glanz nicht entziehen -
er weihte 1049 im Beisein von 72 Bischöfen den Kreuzaltar.
Ausführliches
Glossar
Was ist Romanik?
Was ist ein Kämpfer, was eine Zwerggalerie? Und welche Bedeutung haben
sie im Zusammenklang der einzelnen Stilelemente? Ein ausführliches
Glossar hilft weiter, wenn erschöpfende Erläuterungen zu einzelnen
Begriffen gesucht werden. Und wer dann noch nicht genug Informationen hat,
kann auf ein detailliertes Literaturverzeichnis zurückgreifen.
In geballter Fülle
kann der Besucher darüber hinaus Expertenwissen zu einzelnen Kunstwerken
abrufen, auf der Basis des jeweiligen Grundrisses, so z. B. den von St.
Maria Lyskirchen. Die einzigartigen gut erhaltenen Deckenmalereien aus
romanischer Zeit können näher betrachtet werden als bei einem
Besuch der kleinsten der romanischen Kirchen. Doch nicht nur die bildlichen
Zusammenhänge lassen sich im Panorama im Detail nachvollziehen. Hinzu
kommen Informationen über Sinn und Bedeutung der dargestellten Szenen.
Die entsprechenden
Bibelstellen werden zitiert, so dass der Betrachter aus einer selten vorgefundenen
Bündelung von Wissen schöpfen kann.
Neben diesen Informationen
findet der Interessent auf der Homepage auch genaue Angaben zu Besuchsmöglichkeiten
und -zeiten. Damit verfolgt der Förderverein Romanische Kirchen auch
den Ansatz, noch mehr als bisher in die Öffentlichkeit zu gehen und
neue Interessenten für die Romanischen Kirchen und den Förderverein
zu finden. Der Verein, der die Kirchengemeinden vor allem bei substanzerhaltenden
Maßnahmen finanziell unterstützt, widmet sich ja auch der wissenschaftlichen
Erforschung der Kirchen. Er veranstaltet öffentliche Besichtigungen
und Führungen und sucht durch öffentliche Vortragsreihen die
Kirchen stärker ins allgemeine Bewusstsein zu rücken. Dabei stehen
die großen Kirchen im Vordergrund, aber auch die kleinen romanischen
Kirchen, meist Pfarrkirchen ehemaliger, vor den Toren der mittelalterlichen
Stadt gelegener Dörfer (die heute zum Kölner Stadtgebiet gehören),
wurden in das Förderprogramm aufgenommen. Die Internet-Seiten . informieren
über geplante Projekte und legen Rechenschaft über die
geleistete wissenschaftliche Arbeit ab. Bilanziert wird auch, für
welche Zwecke die bisher eingesammelten Beiträge und Spenden verwandt
wurden. Außerdem kann jederzeit eine Mitgliedschaft beantragt werden
- denn die Voraussetzungen, Informationen über die Höhe des Mitgliedsbeitrages
und die Postanschrift, an die der Antrag geschickt werden soll, sind den
Seiten zu entnehmen.
Last but not least
besteht über die Internet-Adresse ein enger Draht zu den Web-Seiten
der entsprechenden Kirchgemeinden, die jeweils mit ihren eigenen Web-Angeboten
über die Aktivitäten in ihren Gemeinden informieren. |