Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom Dienstag, 19. Februar 2008


Eine kuriose Auflage und Stadtarchiv-Pläne rund um St. Gereon

 "Schwarze Löscher statt bunter Fenster"


Pfarrei St. Gereon verzichtet wegen Urheberrechtsgebühren darauf,
Fenster von Georg Meistermann im Netz zu zeigen.

 

VON MATTHIAS PESCH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schwarze Löscher statt bunter Fenster:
Wie auf diesem Screenshot zu sehen, verzichtet die Gemeinde St. Gereon wegen der Urhebergebühren darauf, die Meistermann-Kunstwerke im Internet zu zeigen.

Mehr als 40 Fenster hat Georg Meistermann für die Basilika St. Gereon entworfen, für das Dekagon, für die Apsis und die Vorhalle. Herausragende Kunstwerke, die der 1990 verstorbene Zeichner und Grafiker als sein „künstlerisches Testament" bezeichnet hat.

Wer sich allerdings auf der Internet-Seite der Kölner Innenstadt-Gemeinde die Glasfenster ansehen will, der sieht nur geschwärzte Flächen.
Wollte die Pfarrei die Kunstwerke zeigen, müsste sie Gebühren an die Verwertungsgesellschaft (VG) Bild-Kunst zahlen, die die Urheberrechte bildender Künstler wahrnimmt.
„Das können und wollen wir nicht", sagt Pfarrer Andreas Brocke, der „kein Verständnis" für diese Auflage hat.

Laut VG-Tarif müsste die Gemeinde zum Beispiel für 20 im Internet gezeigte Fenster 31 Euro pro Monat zahlen, für 40 Fenster 50 Eüro. Geld, das für andere Aufgaben der Gemeinde fehlen würde, sagt Brocke. Also verzichtet die Gemeinde auf jegliche Abbildung der Meistermann-Fenster - mit kuriosen Folgen:

In einem Prospekt bietet die Pfarrei eine Kirchenführung zur „Johannesoffenbarung in den Fenstern von
St. Gereon" an - illustriert wird der Hinweis aber mit einem Bildmotiv vom Boden der Kirche.

Schutz und Förderung

„Wir verfolgen ja keinerlei kommerzielle Interessen", argumentiert Pfarrer Brocke.
Man wolle Besuchern lediglich die Kirche präsentieren, die Fenster stünden im Kontext des sakralen Raumes. „Wir stellen jetzt die Qualität der anderen Fenster stärker heraus", sagt Brocke.

„Wir fühlen uns dem Anliegen Georg Meistermanns verpflichtet", begründet Justinus Maria Calleen, Meistermann-Enkel und Leiter des Georg-Meistermann-Museums in Wittlich, die Haltung der Familie.
Der Künstler habe es stets als ungerecht empfunden, dass in Bibliotheken Leihgebühr gezahlt werden müsse, es für die Nutzer bildender Kunst solche Abgaben aber nicht gebe.
Durch die Gebühr an die VG Bild-Kunst würden „Schutz und Förderung bildender Künstler und von Kunstprojekten" sichergestellt, so Calleen.

Doch nicht alle Künstler bestehen darauf, dieses Recht wahrzunehmen. Andreas Lüpertz etwa, der gerade einen Fenster-Zyklus für St. Andreas schafft, habe großzügig darauf verzichtet, erklärte Diözesanbaumeister Martin Struck.

Presseberichte-Übersicht Virtueller Rundgang durch die Basilika
Pressebericht vom Pressebericht 19.02.2008

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Last Update:21.06.08 11:45  

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