Die
45 Glasfenster in der romanischen Kirche St. Gereon in Köln, um 1984
entstanden, betrachtete Georg Meistermann als sein „künstlerisches
Testament". Folgerichtig bilden einige Entwürfe zu diesen Arbeiten
den Rahmen einer Ausstellung, die das Museum Baden in Solingen zum 90.
Geburtstags des Künstlers ausrichtet.
In der bergischen Stadt wurde der Künstler
1911 geboren, er starb am
12. Juni 1990 in seiner Kölner Wohnung.
Die Ausstellung mit 29 Entwurf-Kartons und einem Glasfenster gibt einen
konzentrierten Überblick über Meistermanns Glasfenster, neben
Gemälden und Druckgrafiken sein dritter Arbeitsschwerpunkt. In seinen
Glasfenstem verwirklichte Meistermann die Grundlagen seines Lebens: ein
Künstler, der Gott dient.
Von den Nazis mit Ausstellungsverbot belegt,
rührte er nach 1945 als Erster in Deutschland eine abstrahierende
Formensprache in den sakralen Raum ein. Seine „Auferstehung Christ", 1949
für St. Markus in Wittlich, zeigt einen muskulösen, dynamischen
Mann. Erst nach zweitägiger Prüfung durch den zuständigen
Prälat gab dieser ihn mit der Bemerkung frei, er habe „seit Ravenna"
nichts Besseres gesehen.
Schon hier zeigt sich Meistermanns Meisterschaft:
das Spiel mit dem Rhythmus von großen und kleinen Glasflächen,
vorgegeben durch das Raster der tragenden Bleirahmen, verdichtet durch
gezeichnete Striche: Wie kristalline Strukturen oder geologische Formationen
strukturieren sie das Bild im Wechsel von Ruhe und Bewegung. „Weißes",
durchsichtiges Glas erlaubt dem 'Licht, von außen nach innen zu dringen;
mit Farben von äußerster Leuchtkraft, vor allem aber mit Grautönen,
sperrt Meistermann es eher wie durch eine dünne Mauer aus.
Immer kalkuliert er die Wirkung der unterschiedlichen
Tageszeiten ein. Bisweilen verzichtet er - wie bei der Klosterkirche von
Maria Laach - fast ganz auf Farben, setzt ganz auf die Wirkung von schwarzen
Linien, durchsichtigem Glas und klaren Formen. Bei vielen Glasfenstern
- Meistermann arbeitete für rund 70 Kirchen, katholische und evangelische,
dazu für viele private Auftraggeber - stören von der Statik vorgegebene
Streben den durchgehenden Linienfluss,
In späteren Arbeiten schafft er sich
seine eigenen Streben, die seinem Willen folgen. Frappierend ist die Entwicklung
Meistermanns. Da sind die Entwürfe aus dem Jahr 1954 für die
evangelische Feldkirche in Neuwied-Wollendorf: Ganz im Zeitgeist des Nierentischs
nutzt der Künstler geschwungene Linien, um die Fläche zu gliedern
und Trauben und Gläser, Korb und Ähren darin einzubetten.
Im Vergleich zu dieser dekorativen, strengen
Komposition, gehalten in Pastelltönen, ein Entwurf aus den frühen
80er Jahren: Frei und locker hebt sich das Efeublatt vom Hintergrund ab,
es scheint im Wind zu vibrieren, die Farbe ist nicht mehr flächig,
sondern höchst differenziert gestaltet. Gegenläufig die Entwicklung
bei einem anderen Motiv. Äußerst dynamisch zeichnet Meistermann
1954 für das Alte Rathaus in Wittlich den apokalyptischen „Hunger"-Reiter
in die Landschaft, die Linien geben dem Bild eine große Tiefe.
Durch
Linien gebändigt
Anders 30 Jahre später beim Fenster
für St. Gereon: Streng und voll gespannter Aufmerksamkeit und höchster
Konzentration, durch Linien gebändigt, steht der „Hunger" mit seinem
Pferd, die Waage in der Hand über Ähren und Trauben. Die farbliche
Sparsamkeit hier kontrastiert vor allem zu der der Chorfenster - zu sehen
sind die Entwürfe zum „Heilig-Geist-Fenster", zu „Empfangende Maria
- Mutter Gottes" und „Verkündigungsengel St. Gabriel": Mit Weiß
werden sparsame Akzente gesetzt, sonst dominieren dunkle Töne, die
Würde und Erhabenheit der Kirche betonen. Auf vielen Kartons werden
die Farben nur durch Zahlen benannt, für den Betrachter nicht nachvollziehbar.
Meistermann allerdings wusste die „Bestellnummern" mit der Farbe zu verbinden:
In den Kriegsjahren war er für ein
Jahr erblindet und konnte die Bilder allein in seiner Vorstellungskraft
erschaffen.
Georg Meistermann, Museum Baden,
Solingen-Gräfrath,
Wuppertaler Str. 160, bis 19. August,
Di-So 10-17 h.
Mit der Bahn bis Wuppertal-Vohwinkel,
weiter mit dem Trolley-Bus bis Solingen-Gräfrath. |