|
Welchen Wert hat
unser historisches Erbe?
Kölner Kirchengemeinde wehrt sich gegen
Hochhäuser im Umfeld der Kirche St. Gereon
|

Nach der Aufstockung der Gebäude
an der Christoph-straße wird von St. Gereon nicht mehr viel
zu sehen sein, so die Befürchtungen der Pfarrgemeinde.
Foto: Boecker |
KÖLN. Seit
Jahrhunderten prägten und prägen Kirchen mit ihren oftmals
hohen Türmen als Fingerzeige Gottes unsere Städte und
Dörfer. Das dies auch in Zukunft so sein soll, darum bemüht
sich zur Zeit die Kölner Pfarrgemeinde St. Gereon angeführt
von ihrem Pfarrer, Dechant Andreas Brocke. Seit Monaten wird
im Viertel rund um die romanische Kirche St. Gereon eifrig
gebaut. Alte Bürobauten und Wohnhäuser wurden abgerissen und
durch Neubauten, die zurzeit in den Himmel wachsen, ersetzt.
Dass diese Häuser in den Himmel zu wachsen scheinen ist
genau der Punkt, an dem sich der Unmut von Dechant Brocke
und vielen anderen Freunden von St. Gereon entzündet. „Wenn
die bestehenden Baupläne nicht verändert und die Höhen der
Gebäude nicht verringert werden, dann wird die Blickachse
auf die weltberühmte Kirche stark beeinträchtigt“,
beschreibt Brocke das Problem. Eingepfercht zwischen
Gebäuden, die so hoch wie oder höher als die Kirche sind,
verliere St. Gereon viel von seiner Wirkung. „Welchen
Respekt bringt eine Stadt ihrem historischen Erbe
entgegen?“, fragt Brocke und erinnert daran, dass man in der
Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg sehr
bewusst darauf geachtet habe, dass die romanischen Kirchen
dominierende städtebauliche Merkzeichen blieben und sich der
Maßstab der sie umgebenden Bebauung ihrem Bauvolumen
unterordnete. |
Sollte die
bestehenden Pläne umgesetzt und die unverhältnismäßig hohen Gebäude
in Nachbarschaft der Kirche hochgezogen werden, würde eine der
wichtigen Blickachsen auf die Basilika wesentlich beeinträchtigt und
die städtebauliche Bedeutung und Funktion dieses einmaligen
Baudenkmals wesentlich geschwächt. „Die Strahlkraft der für die
Kölner Bürger und Besucher so wichtigen Kirche wird stark
beeinträchtigt und der Kommerzialisierung des städtischen Raumes
geopfert“, zitierte Brocke aus einem Schreiben des Leiters der
Hauptabteilung Seelsorgebereiche im Generalvikariat, Prälat
Hans-Josef Radermacher an den zuständigen Bezirksbürgermeister der
Kölner Innenstadt, Andreas Hupke. Brocke machte deutlich, dass man
sich nicht grundsätzlich einer baulichen Umgestaltung des
Gereonsviertels verschließe. Vieles, was der Investor plane, sei
begrüßenswert. Die Gretchenfrage stelle sich jedoch, wenn es darum
geht, „welchen Respekt bringt man den lebenden und den steinernen
Nachbarn entgegen?“ Als Kirchengemeinde sei man zum Schutz des
Baudenkmals verpflichtet, gibt sich Brocke kämpferisch. Ziel sei es,
eine Änderung des vom Rat der Stadt genehmigten Bebauungsplanes zu
erreichen. Brocke lädt deshalb alle Gemeindemitglieder, Freunde von
St. Gereon und alle, die an dieser grundsätzlichen und nicht nur in
Köln relevanten Frage Interessierten ein, am kommenden Montag, 19.
Mai um 19 Uhr in die Halle Globale am Hildeboldplatz in Köln zu
kommen. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen
Öffentlichkeitsbeteiligung an der Bauleitplanung wird das
Bebauungskonzept des Gereons-viertels den Bürgerinnen und Bürgern
vorgestellt und Gelegenheit gegeben, Vorschläge zur Planung zu
machen.
ROBERT BOECKER |