Die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln
berichtet in seiner Ausgabe vom Freitag, 16. Mai 2008

  Welchen Wert hat unser historisches Erbe?

Kölner Kirchengemeinde wehrt sich gegen Hochhäuser im Umfeld der Kirche St. Gereon



Nach der Aufstockung der Gebäude an der Christoph-straße wird von St. Gereon nicht mehr viel zu sehen sein, so die Befürchtungen der Pfarrgemeinde. 
Foto: Boecker

KÖLN. Seit Jahrhunderten prägten und prägen Kirchen mit ihren oftmals hohen Türmen als Fingerzeige Gottes unsere Städte und Dörfer. Das dies auch in Zukunft so sein soll, darum bemüht sich zur Zeit die Kölner Pfarrgemeinde St. Gereon angeführt von ihrem Pfarrer, Dechant Andreas Brocke. Seit Monaten wird im Viertel rund um die romanische Kirche St. Gereon eifrig gebaut. Alte Bürobauten und Wohnhäuser wurden abgerissen und durch Neubauten, die zurzeit in den Himmel wachsen, ersetzt. Dass diese Häuser in den Himmel zu wachsen scheinen ist genau der Punkt, an dem sich der Unmut von Dechant Brocke und vielen anderen Freunden von St. Gereon entzündet. „Wenn die bestehenden Baupläne nicht verändert und die Höhen der Gebäude nicht verringert werden, dann wird die Blickachse auf die weltberühmte Kirche stark beeinträchtigt“, beschreibt Brocke das Problem. Eingepfercht zwischen Gebäuden, die so hoch wie oder höher als die Kirche sind, verliere St. Gereon viel von seiner Wirkung. „Welchen Respekt bringt eine Stadt ihrem historischen Erbe entgegen?“, fragt Brocke und erinnert daran, dass man in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg sehr bewusst darauf geachtet habe, dass die romanischen Kirchen dominierende städtebauliche Merkzeichen blieben und sich der Maßstab der sie umgebenden Bebauung ihrem Bauvolumen unterordnete.

Sollte die bestehenden Pläne umgesetzt und die unverhältnismäßig hohen Gebäude in Nachbarschaft der Kirche hochgezogen werden, würde eine der wichtigen Blickachsen auf die Basilika wesentlich beeinträchtigt und die städtebauliche Bedeutung und Funktion dieses einmaligen Baudenkmals wesentlich geschwächt. „Die Strahlkraft der für die Kölner Bürger und Besucher so wichtigen Kirche wird stark beeinträchtigt und der Kommerzialisierung des städtischen Raumes geopfert“, zitierte Brocke aus einem Schreiben des Leiters der Hauptabteilung Seelsorgebereiche im Generalvikariat, Prälat Hans-Josef Radermacher an den zuständigen Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt, Andreas Hupke. Brocke machte deutlich, dass man sich nicht grundsätzlich einer baulichen Umgestaltung des Gereonsviertels verschließe. Vieles, was der Investor plane, sei begrüßenswert. Die Gretchenfrage stelle sich jedoch, wenn es darum geht, „welchen Respekt bringt man den lebenden und den steinernen Nachbarn entgegen?“ Als Kirchengemeinde sei man zum Schutz des Baudenkmals verpflichtet, gibt sich Brocke kämpferisch. Ziel sei es, eine Änderung des vom Rat der Stadt genehmigten Bebauungsplanes zu erreichen. Brocke lädt deshalb alle Gemeindemitglieder, Freunde von St. Gereon und alle, die an dieser grundsätzlichen und nicht nur in Köln relevanten Frage Interessierten ein, am kommenden Montag, 19. Mai um 19 Uhr in die Halle Globale am Hildeboldplatz in Köln zu kommen. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung an der Bauleitplanung wird das Bebauungskonzept des Gereons-viertels den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt und Gelegenheit gegeben, Vorschläge zur Planung zu machen.
ROBERT BOECKER

Presseberichte-Übersicht Virtueller Rundgang durch die Basilika
Pressebericht 9.09.2008

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Last Update:12.09.08 14:14  

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