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Regina
Urbanek
restauriert die
Reliquienbüsten
aus dem frühen
14. Jahrhundert,
in denen einst
sterbliche Über-
reste von Heili-
gen aufbewahrt
wurden. Als be-
sonders rares
Stück in St. Ge
reon gilt der
Mohr. In sein
goldenes Haar
ist eine Klappe
eingearbeitet.
BILD: KNIEPS |
Kopfwäsche mit Benzin
700 Jahre alte Büsten in St. Gereon
werden restauriert
Kunstvoll bemalte Holzbüsten, in denen zur Blütezeit
der Reliquienverehrung sterbliche Überreste von Heiligen aufbewahrt
wurden, will der Förderverein
Romanische Kirchen vor dem Verfall retten.
VON BEATRIX LAMPE
BIass um die Nase ist sie geworden,
die sanft lächelnde Rheinländerin. Und dem heiteren Mohren mit der
Klappe im goldenen Krauskopf sieht selbst der Laie einen üblen Schaden an der Schütter an. Beide
stehen kurz davor, „die Fassung zu verlieren", wie Restauratorin
Regina Urbanek den Umstand beschreibt, dass sich die Bemalung ablöst. Der Mohr, das Mädchen und
zwölf weitere Reliquienbüsten in
St. Gereon, die vorwiegend im 14. Jahrhundert entstanden und der Präsentation von Überresten hoch
verehrter Heiliger dienten, haben nach annähernd 700 Jahren eine Kur nötig. |
Die Reliquien, deren Verehrung
einst Pilgerscharen ins „Hillije Kölle" gelockt und der Stadt Reichtum
beschert hat, sind zwar längst aus den dafür vorgesehenen Hohlräumen im Kopf- oder Schulterbereich
der Holzbüsten verschwunden.
Doch die zeittypisch bemalten Büsten, von denen es weitere in St.
Ursula, St. Kunibert und vermutlich noch in diversen weiteren Kölner
Kirchen gibt, sind in ihrem typisch kölnischen Ausdruck Kostbarkeiten
für sich.
Als einzigartig iür die Entstehungszeit gilt die Mohrenfigur.
Behutsam wird die aus Wien gebürtige Restauratorin den Holzköpfen wieder zur Fassung verhelfen.
Farbpartikel werden mit Stör-Leim aus der Schwimmblase des Fisches
wieder fixiert. Mit Pinselchen und Wasser oder Benzin wäscht Regina
Urbanek den Herren und der Dame die Köpfe und Hälse und
entscheidet, ob sie Fehlendes ergänzt - mit
ursprünglich verwendeten Materialien natürlich, wie Bleiweiß,
Zinnoberrot, Azurit und ganz viel Gold.
Eine Spende von 2.800,00 Eure der Landschaftsversammlung Rheinland, die Winfried Schittges dem
Vorsitzenden des Fördervereins Romanische Kirchen, Helmut
Haumann, übergab, macht die Restaurierung der Büsten möglich; auch
das Erzbistum beteiligt sich an den Kosten. Pfarrer Andreas Brocke
hofft, die Büsten nach der „Kur" bei Regina Urbanek auch der Öffentlichkeit zeigen zu können. Derzeit
stehen sie, wie weitere Kirchenschätze von St. Gereon, hinter
verschlossenen Türen in der alten Sakristei.
Für eine geschützte Neupräsentation braucht die Gemeinde aber
weitere Spenden. Denn Klimaschwankungen würden die betagten hölzernen Damen und Herren rasch wieder
„aus der Fassung" bringen.
Förderverein engagiert sich
Der Förderverein Romanische Kirchen engagiert sich seit 1981 mit
schon über 6,5 Millionen Eure für Wiederaufbau, Erhalt und
Ausstattung der zwölf großen romanischen Altstadtkirchen. Derzeit
konzentriert sich die Förderung auf die Restaurierung von bedrohten
Kirchenschätzen; Ziel ist auch die Präsentation der Kleinodien, die
kunstgeschichtlich wertvoll sind.
www.romanische-kirchen-koein.de |
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