Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom 16. März 2004

Regina Urbanek
restauriert die
Reliquienbüsten
aus dem frühen
14. Jahrhundert,
in denen einst
sterbliche Über-
reste von Heili-
gen aufbewahrt
wurden. Als be-
sonders rares
Stück in St. Ge
reon gilt der
Mohr. In sein
goldenes Haar
ist eine Klappe
eingearbeitet.
BILD: KNIEPS
Kopfwäsche mit Benzin
700 Jahre alte Büsten in St. Gereon 
werden restauriert

Kunstvoll bemalte Holzbüsten, in denen zur Blütezeit der Reliquienverehrung sterbliche Überreste von Heiligen aufbewahrt wurden, will der Förderverein
Romanische Kirchen vor dem Verfall retten.
VON BEATRIX LAMPE
BIass um die Nase ist sie geworden, die sanft lächelnde Rheinländerin. Und dem heiteren Mohren mit der Klappe im goldenen Krauskopf sieht selbst der Laie einen üblen Schaden an der Schütter an. Beide stehen kurz davor, „die Fassung zu verlieren", wie Restauratorin Regina Urbanek den Umstand beschreibt, dass sich die Bemalung ablöst. Der Mohr, das Mädchen und zwölf weitere Reliquienbüsten in 
St. Gereon, die vorwiegend im 14. Jahrhundert entstanden und der Präsentation von Überresten hoch verehrter Heiliger dienten, haben nach annähernd 700 Jahren eine Kur nötig. 
Die Reliquien, deren Verehrung einst Pilgerscharen ins „Hillije Kölle" gelockt und der Stadt Reichtum beschert hat, sind zwar längst aus den dafür vorgesehenen Hohlräumen im Kopf- oder Schulterbereich der Holzbüsten verschwunden. 
Doch die zeittypisch bemalten Büsten, von denen es weitere in St. Ursula, St. Kunibert und vermutlich noch in diversen weiteren Kölner Kirchen gibt, sind in ihrem typisch kölnischen Ausdruck Kostbarkeiten für sich. 
Als einzigartig iür die Entstehungszeit gilt die Mohrenfigur.

Behutsam wird die aus Wien gebürtige Restauratorin den Holzköpfen wieder zur Fassung verhelfen. 
Farbpartikel werden mit Stör-Leim aus der Schwimmblase des Fisches wieder fixiert. Mit Pinselchen und Wasser oder Benzin wäscht Regina Urbanek den Herren und der Dame die Köpfe und Hälse und entscheidet, ob sie Fehlendes ergänzt - mit
ursprünglich verwendeten Materialien natürlich, wie Bleiweiß, Zinnoberrot, Azurit und ganz viel Gold.

Eine Spende von 2.800,00 Eure der Landschaftsversammlung Rheinland, die Winfried Schittges dem Vorsitzenden des Fördervereins Romanische Kirchen, Helmut Haumann, übergab, macht die Restaurierung der Büsten möglich; auch das Erzbistum beteiligt sich an den Kosten. Pfarrer Andreas Brocke hofft, die Büsten nach der „Kur" bei Regina Urbanek auch der Öffentlichkeit zeigen zu können. Derzeit stehen sie, wie weitere Kirchenschätze von St. Gereon, hinter verschlossenen Türen in der alten Sakristei.

Für eine geschützte Neupräsentation braucht die Gemeinde aber weitere Spenden. Denn Klimaschwankungen würden die betagten hölzernen Damen und Herren rasch wieder „aus der Fassung" bringen.

Förderverein engagiert sich 
Der Förderverein Romanische Kirchen engagiert sich seit 1981 mit schon über 6,5 Millionen Eure für Wiederaufbau, Erhalt und Ausstattung der zwölf großen romanischen Altstadtkirchen. Derzeit konzentriert sich die Förderung auf die Restaurierung von bedrohten Kirchenschätzen; Ziel ist auch die Präsentation der Kleinodien, die kunstgeschichtlich wertvoll sind.

www.romanische-kirchen-koein.de
Presseberichteübersicht Pressebericht vom 13.02.2004

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Last Update:21.06.08 11:49  

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