Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom 14. September 2004

KULTUR: Wie die Gereöner sich für die Kirchenmusik engagieren.

Für die Orgelkunst ziehen sie alle Register.


Kantor Jürgen von Moock spielt auf der neuen Orgel - und Hubert Gülden, Vorsitzender im Förderkreis für Kirchenmusik, hört begeistert zu.

St. Gereon blickt auf 1600 Jahre Geschichte mit reicher Kirchenmusik zurück. Heute engagieren sich Privatleute für Konzerte in der Basilika.
VON MARIANNE KIERSPEL
Innenstadt - Tradition verpflichtet. „St. Gereon war die ranghöchste Kölner Kirche nach dem Dom.
Hier haben schon die Stiftsherren die Musik sehr gepflegt. Das waren gut betuchte Adlige", erklärt Hubert Gülden.
Der Lehrer ist Vorsitzender im Förderkreis für Kirchenmusik, der seit 2001, seit dem Einbau der neuen Orgel, Zeit und Arbeit investiert für Musik in der prächtigen Basilika an der Christophstraße.
Zwölf Aktive spenden, sammeln, planen Konzerte, werben und suchen Mitstreiter. .
„Die Orgel klingt so schön", schwärmt Gülden. Die Privatleute fordern Extra-Musik für Gottesdienste und jedes Jahr drei November-Konzerte mit namhaften Organisten aus aller Welt. „Wir haben schon richtige Orgelfans, die kein Konzert verpassen wollen", weiß Gülden. Auch dieser Bürgereinsatz hat in Köln Tradition. Am Beispiel von St. Gereon lässt sich ablesen, dass nicht nur die jeweilige Pfarrei für das kulturelle Leben sorgt. In so kleinen Citygemeinden wie St. Gereon engagieren sich alte „Gereöner" wie Gülden, die heute auswärts wohnen, aber auch Geschäftsleute, Versicherungen und Banken in der Nähe. Vor allem aber Privatleute, die sich der Basilika verbunden fühlen.

Viele spenden auch einmal einen großen Betrag. So sammelte ein Orgelbauverein für die neue Orgel, die heute bezahlt ist. Dessen Vorsitzender Eugen Bester war Banker, erzählt Gülden:
„Bester wusste, wie er an die richtigen Leute herankam."
Noch früher, beim Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Dekagons, flossen Spenden für die Fenster von Georg Meistermann, Wilhelm Buschulte und anderen. Die Glasbilder laden Besucher zum Betrachten ein
und inspirieren die Musiker. So hat der Kantor Jürgen von Moock ein schönes CD-Programm auf Themen dieser Fenster abgestimmt („Lichtblicke - Klangräume", bei Psallite). „In einem solchen Raum kann man die Musik nicht losgelöst betrachten", sagt der Musiker. Er plant für die Basilika, die auf 1600 Jahre Geschichte zurückblickt, eine weitere CD mit Begegnungen unterschiedlicher musikalischer Stile.

Schon als Kölner Student hatte sich von Moock die Kirchenmusikerstelle an St. Gereon gewünscht, obwohl sie noch klein, also mäßig honoriert war. Jetzt bringt er facettenreiche Musik in das prächtige Haus.
Er weiß, dass "Leute aus Bergheim, Bonn, Bergisch Gladbach, sogar aus dem Norddeutschen nach
St. Gereon kommen: „Die haken hier keine Sonntagspflicht ab, die wünschen auch kulturelles Programm"
,
meint der Kantor, der im Förderkreis mitwirkt.
Er selbst wünscht sich einen Spieltisch, der die neue Orgel verbindet mit der alten von 1954.
Sie hängt wie ein Schwalbennest im Langhaus, wo die Gemeinde nach dem Krieg in der halb zerstörten Kirche ihre Messen feierte. Die alte Orgel reichte jetzt nicht für den hoch gewölbten Kuppelbau.
Also baute die Eifeler Firma Weimbs die neue Orgel im Dekagon, über dem Eingang.
Da redeten viele mit, auch der Denkmalschutz, erzählt der frühere Pfarrer Karl-Josef Daverkausen launig im Orgelheft:
Es war „eine Abenteuerreise".
Seit 2001 ist sie da, drei Manuale, Pedal und 36 Register. „Sie ist zunächst ein barockes Instrument, aber auch für jüngere Stilepochen geeignet", erläutert der Kantor. „Sie hat zwar kein romantisches Schwellwerk, aber man
kann durchaus auch große romantische Werke hier spielen."


Zum Gereonsfest im Oktober singen Chöre aus Düsseldorf und St. Gereon.
Für November hat der Förderkreis wieder drei bekannte Organisten eingeladen:
Der Londoner Romantik-Experte David Sanger erprobt die Weimbs-Orgel (7. November).
Wolfgang Rübsam, Professor in Chicago und Saarbrücken, spielt viel von Bach (14. November).
Und der Stuttgarter Professor Ludger Lohmann interpretiert am 21. November Werke Kölner Komponisten.
Orgelfans können für diese Konzerte, sonntags um 17 Uhr, Abos erwerben.
Weitere Musik wird stets aktuell in St. Gereon und im Internet angekündigt.
www.stgereon.de
Presseberichteübersicht Pressebericht vom 25. März 2004

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Last Update:21.06.08 11:49  

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