|
KULTUR: Wie die Gereöner sich für die
Kirchenmusik engagieren. |
|
Für die
Orgelkunst ziehen sie alle Register. |
|

Kantor Jürgen von Moock spielt auf der neuen Orgel - und Hubert
Gülden, Vorsitzender im Förderkreis für Kirchenmusik, hört
begeistert zu. |
St. Gereon blickt auf 1600
Jahre Geschichte mit reicher Kirchenmusik zurück. Heute
engagieren sich Privatleute für Konzerte in der Basilika.
VON MARIANNE KIERSPEL
Innenstadt -
Tradition verpflichtet. „St. Gereon war die ranghöchste Kölner
Kirche nach dem Dom.
Hier haben schon die Stiftsherren die Musik sehr gepflegt. Das
waren gut betuchte Adlige", erklärt Hubert Gülden.
Der Lehrer ist Vorsitzender im Förderkreis für Kirchenmusik, der
seit 2001, seit dem Einbau der neuen Orgel, Zeit und Arbeit
investiert für Musik in der prächtigen Basilika an der
Christophstraße.
Zwölf Aktive spenden, sammeln, planen Konzerte, werben und
suchen Mitstreiter. . |
„Die Orgel klingt so schön",
schwärmt Gülden. Die Privatleute fordern Extra-Musik für
Gottesdienste und jedes Jahr drei November-Konzerte mit
namhaften Organisten aus aller Welt. „Wir haben schon
richtige Orgelfans, die kein Konzert verpassen wollen", weiß
Gülden. Auch dieser
Bürgereinsatz hat in Köln Tradition. Am Beispiel von St. Gereon
lässt sich ablesen, dass nicht nur die jeweilige Pfarrei für das
kulturelle Leben sorgt. In so kleinen Citygemeinden wie St.
Gereon engagieren sich alte „Gereöner" wie Gülden, die heute
auswärts wohnen, aber auch Geschäftsleute, Versicherungen und
Banken in der Nähe. Vor allem aber Privatleute, die sich der
Basilika verbunden fühlen.
Viele spenden auch einmal einen großen Betrag. So sammelte ein
Orgelbauverein für die neue Orgel, die heute bezahlt ist. Dessen
Vorsitzender Eugen Bester war Banker, erzählt Gülden:
„Bester wusste, wie er an die richtigen Leute herankam."
Noch früher, beim Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Dekagons,
flossen Spenden für die Fenster von Georg Meistermann, Wilhelm
Buschulte und anderen. Die Glasbilder laden Besucher zum
Betrachten ein
und inspirieren die Musiker. So hat der Kantor Jürgen von Moock
ein schönes CD-Programm auf Themen dieser Fenster abgestimmt
(„Lichtblicke - Klangräume", bei Psallite). „In einem
solchen Raum kann man die Musik nicht losgelöst betrachten",
sagt der Musiker. Er plant für die Basilika, die auf 1600 Jahre
Geschichte zurückblickt, eine weitere CD mit Begegnungen
unterschiedlicher musikalischer Stile.
Schon als Kölner Student hatte sich von Moock die
Kirchenmusikerstelle an St. Gereon gewünscht, obwohl sie noch
klein, also mäßig honoriert war. Jetzt bringt er facettenreiche
Musik in das prächtige Haus.
Er weiß, dass "Leute aus Bergheim, Bonn, Bergisch Gladbach,
sogar aus dem Norddeutschen nach
St. Gereon kommen: „Die haken hier keine Sonntagspflicht ab, die
wünschen auch kulturelles Programm",
meint der Kantor, der im Förderkreis mitwirkt.
Er selbst wünscht sich einen Spieltisch, der die neue Orgel
verbindet mit der alten von 1954.
Sie hängt wie ein Schwalbennest im Langhaus, wo die Gemeinde
nach dem Krieg in der halb zerstörten Kirche ihre Messen
feierte. Die alte Orgel reichte jetzt nicht für den hoch
gewölbten Kuppelbau.
Also baute die Eifeler Firma Weimbs die neue Orgel im Dekagon,
über dem Eingang.
Da redeten viele mit, auch der Denkmalschutz, erzählt der
frühere Pfarrer Karl-Josef Daverkausen launig im Orgelheft:
Es war „eine Abenteuerreise".
Seit 2001 ist sie da, drei Manuale, Pedal und 36 Register.
„Sie ist zunächst ein barockes Instrument, aber auch für jüngere
Stilepochen geeignet", erläutert der Kantor. „Sie hat
zwar kein romantisches Schwellwerk, aber man
kann durchaus auch große romantische Werke hier spielen."
Zum Gereonsfest im Oktober singen Chöre aus Düsseldorf und St.
Gereon.
Für November hat der Förderkreis wieder drei bekannte Organisten
eingeladen:
Der Londoner Romantik-Experte David
Sanger erprobt die Weimbs-Orgel (7. November).
Wolfgang Rübsam, Professor in Chicago und Saarbrücken, spielt
viel von Bach (14. November).
Und der Stuttgarter Professor Ludger Lohmann interpretiert am
21. November Werke Kölner Komponisten.
Orgelfans können für diese Konzerte, sonntags um 17 Uhr, Abos
erwerben.
Weitere Musik wird stets aktuell in St. Gereon und im Internet
angekündigt.
www.stgereon.de |
|