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Vom
Leben des Stiftes
Die Fülle und der Reichtum der Bauarbeiten
an den romanischen Kirchen Kölns im 12. und frühen 13. Jh. ist nicht
nur Protzen mit dem Reichtum, der aus fruchtba-ren Ländereien bei
besseren landwirtschaft-lichen Methoden in dieser Zeit in die Kassen der Kapitel fließt. Den hätte
man, wie zu jeder Zeit, auch damals anders verwenden können. |
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Die Memorialbücher der Stifte und
Klöster verzeichnen die Todestage der Wohltäter. An diesem Tag
werden sie beson-ders in das Gebet der Chorgemeinschaft eingeschlossen, es wird Fürbitte
für sie eingelegt. Das war die Absicht derer, die dem Stift Ländereien oder andere
Einkünfte vermachten. So kam ihr weltliches Gut ihrem Seelenheil
zugute. Sich für ihr eigenes Seelenheil und das der Wohltäter einzusetzen, war die Hauptaufgabe solcher
Institutionen. Dafür schufen die Bauten mit ihrer reichen Ausstattung den
notwendigen Rahmen. Daneben wurde Seelsorge betrieben. |
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Rundum
die Stiftskirche liegen
Felder und Weingärten |
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Weite Bereiche
wurden besonders in der Frühzeit von einem Stift aus versorgt. Auch
später sind Stiftsherren oft zugleich Pfarrer in weit von Köln
entfernt gelegenen Gemeinden. In Köln selbst wurde die eigene Pfarrei
der rings um das Stift woh-nenden Familien in der kleinen Kirche St. Christoph
versorgt. Sie wird 1172 erstmals erwähnt und schließlich zu
Beginn des 19. Jh. Rundum die Stiftskirche liegen Felder und Weingärten abgerissen, als die Gemeinde St. Gereon nach Aufhebung des Stiftes
als Pfarrkirche übernimmt. Meist wird zugleich eine kleine Schule
betrieben, in welcher der eigene Nachwuchs an Kanonikern neben anderen
Schülern ausgebildet wird. Viel Zeit verschlingt auch die Verwaltung
der Güter, aber einen großen, wohl den größten Teil
des Tages nahmen Chorgebet und Messfeier ein.
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Welche Intensität die Frömmigkeit gerade in St. Gereon erreichte,
zeigt die Tatsache, dass die erste nachweisbare Fronleichnamsprozession
1277 von hier ihren Ausgang nahm. Mit Begeisterung hatte man die von Lüttich
ausgehende Bewegung neuer Frömmigkeit hier aufgenommen. Vielleicht
war es Dekan Wilhelm de Schinnis, der etwa zu dieser Zeit sein Amt übernahm,
der die Neuerung einführte. Seine Begeisterung für den Bau, seine
Ausstattung und die Liturgie zeigt er mit einer Stiftung aus dem Jahre
1280. In der zweiten Nische der Nordseite des Dekagons ließ er am
Marienaltar ein neues, gotisches Fenster einsetzen. Es ist anzunehmen,
dass andere Mitglieder des Stiftskapitels in diesen Jahren für
die anderen Fenster sorgten. Seine Freigebigkeit gilt nicht nur der Architektur.
Er stiftet zugleich 40 Mark, etwa 10 kg Silber - ein beachtliches Kapital
- für den Unterhalt des Chores; außerdem zwei Mark für
die Verbesserung der Orgel. Er lässt das Kreuz vor dem Chor neu
vergolden und die Figuren Mariens, der hll. Johannes, Gereon und Helena neu anfertigen, die auf einem Balken
unter dem Kreuz stehen. Hier spürt man, in einer Urkunde zusammengefasst,
aus welchen lebendigen Zusammenhängen liturgischen Stiftslebens der Bau erwachsen ist. |
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