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Die
neue Weimbs-Orgel
Nach
langen Jahren des Planens erhält die Kölner Pfarrkirche St. Gereon
nun endlich eine Orgel, die der Bedeutung dieses einmaligen Bauwerks entspricht.
St. Gereon kann auf eine lange Orgeltradition zurückblicken, die bis
in das 13. Jahrhundert reicht. Ein bemerkenswertes Instrument war sicherlich
die im 16. Jahrhundert durch Nicolaas Niehoff und Arnt Lampeler van Mill,
hervorragende Meister der sog. Nordbrabanter Schule in s'Hertogenbosch,
ausgeführte Orgel. Die Hohe Domkirche besaß ebenfalls
ein Orgelwerk großen Stils aus diesen Werkstätten. Im Barock
und späten 19. Jahrhundert nahm man diverse Umbauten an der Orgel
von St. Gereon vor; das kostbare Renaissancegehäuse aber blieb bis
zur endgültigen Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg erhalten.
Nach Wiederherstellung des Langchores errichtete die Bonner Orgelwerkstatt
Klais dort eine kleine Schwalbennestorgel mit 16 Registern. Mit Fertigstellung
des Dekagons, das der Gemeinde als zentraler Ort zur Feier der Liturgie
dient, machte sich aber das Fehlen eines angemessenen Instrumentes immer
stärker bemerkbar. Ein Orgelneubau war eigentlich nur dort denkbar,
wo schon das Niehoffsche Instrument gestanden hatte - über dem Eingang
des Dekagons. Nach vielen Überlegungen entschied man sich dann auch
für diesen Aufstellungsort.
Die beim Wiederaufbau erfolgten
statischen Veränderungen und die Öffnung eines vorher geschlossenen
Fensters hinter der Orgel zwangen bei der Planung des Instrumentes zur
äußersten Ökonomie hinsichtlich der Disposition. Diese Beschränkung ist
aber keineswegs als nachteilig zu werten, da der Zentralbau über eine
hervorragende Akustik verfügt. Man einigte sich auf eine Disposition,
die an die klassische Tradition der rheinischen Orgelbauerfamilie König
aus Bad Münstereifel anknüpft. Eine solche Entscheidung war auch
insofern sinnvoll, als die Orgelneubauten der letzten Jahre in der
Kölner Innenstadt fast alle dem Prinzip einer mehr oder weniger großen
"Universalorgel" folgen, sich hier aber eine Gelegenheit bot, einen
völlig anderen Akzent zu setzen. Der Bau eines reich besetzten
Schwellwerks wäre beispielsweise infolge des zur Verfügung stehenden
Platzes in St. Gereon nicht möglich gewesen. Schon bei der
Pedalbesetzung musste man sich mit nur zwei selbständigen Stimmen
begnügen, die
restlichen Register werden aus dem Hauptwerk transmittiert. |
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So
entstand ein eher klassisches Klangkonzept. 31 Register verteilen sich
jetzt auf Hauptwerk, Rückpositiv, schwellbares Echowerk und Pedal.
Das Hauptwerk verfügt über einen lückenlosen Prinzipalchor,
dessen Fundament der Principal 16' ist und der mit den Mixturen Fourniture
und Cymbale seine Klangkrone erhält. Der Zungenchor ist mit Trompette
8' und Clairon 4' vertreten, Cornet V dient als Solostimme und Zungenverstärker,
Flöten zu 8' und 4' bilden den lyrischen Weitchor. Die reichhaltige
Farbpalette wird durch die schwebende Unda Maris und eine Viola da Gamba
ergänzt. Im Rückpositiv, das auf Principal 8' basiert und dessen
Plenum durch eine Fourniture den notwendigen Glanz erhält, finden
sich neben weiten Flöten und einem Streicher (Salicional 8') auch
Farbregister wie Sesquialter II und die klassische Zungenstimme Cromone
8'. Im schwellbaren Echo stehen u.a. die lyrischen Zungenregister
Basson/ Hautbois 8' und Voix humaine 8'. Das Pedal verfügt über
einen tragfähigen Subbaß 16', eine klanglich mächtige Bombarde
16' und die schon erwähnten Transmissionen aus dem Hauptwerk. Verschiedene
Koppeln gestatten die Verbindung der einzelnen Werke untereinander, Tremulanten
ermöglichen durch eine Beunruhigung des Orgelwindes nochmals spezielle
Klangeffekte. |
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Vergleicht man die Disposition
der Orgel von St. Gereon mit der des Balthasar König von 1727 in der
Basilika zu Steinfeld, so ergeben sich durchaus Parallelen. Beabsichtigt
war aber keine Stilkopie, sondern ein ganz eigenständiges Instrument,
das
Anregungen aus dem rheinischen Orgelbau des 18. Jahrhunderts aufnimmt,
jedoch eine Orgel unserer Zeit darstellt. All diese Überlegungen bleiben
aber Papier, wenn der Orgelbauer, der über eine vielseitige Begabung verfügen
muss, sie nicht entsprechend umsetzt. So
gilt denn auch heute noch Jakob Adlungs Wort über die „Orgelmacherkunst"
aus dem Jahre 1768: „Sie erfordert einen guten Grund in der Mathematik,
weil sie stets mit Aus- und Abmessungen zu thun hat. Es gehören viel
Handwerke dazu. Es muss einer ein guter Tischler, Klempener, Schmidt
usw. seyn. Nicht weniger muss auch ein guter Orgelmacher die Metalle
und Holzarten aus der Physik verstehen; er muss drechseln können:
sonderlich aber wird erfordert, dass er die Architektur gründlich
inne habe. Es haben auch die Orgelmacher desfalls besondere Privilegia,
und heißet diese Sache kein Handwerk, sondern eine Kunst."
Prof.
Hans-Dieter Möller
22. September 2001 |
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