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Auf
dem Weg zu einer neuen Orgel
- Der
Bericht einer Abenteuerreise |
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"Besonders schmerzlich war die Zertrümmerung
der Orgel, die von zahlreichen Stahl- und Steinsplittern getroffen wurde.
Der Sorgfalt, mit der wir alle kleinen Teile des Orgelgehäuses gesammelt haben, ist es zu verdanken,
dass es in seinen früheren Zustand wieder versetzt werden kann. Das
Spielwerk muss ganz erneuert werden. Wir werden diese Gelegenheit wahrnehmen,
um die Orgel, was die Zahl der Register angeht, zu vergrößern
und durch eine bessere Zusammenstellung der Orgelpfeifen für eine
schönere Klangfülle zu sorgen."
Diese Sätze finden sich in der alten
Chronik der Pfarrei St. Gereon und beziehen sich auf den Fliegerangriff
vom 7. Juli 1941. Als der damalige Pfarrer, Carl August Bremer, im Gottesdienst
von der geplanten Renovierung berichtete, konnte er nicht ahnen, dass noch
größere Zerstörungen die Basilika heimsuchen würden.
In der Nacht zum 31. Mai 1942, nach dem sog. Tausend-Bomber-Angriff, verbrannten
unersetzliche Kunstwerke, und natürlich wurde auch die alte Orgel
total vernichtet.
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Es vergingen 50 Jahre
bis nach allen Aufbau- und Restaurierungsarbeiten am 18. Februar 1992 im Kirchenvorstand die ersten Vorüberlegungen
zur Planung einer neuen Orgel im Dekagon angestellt wurden.
Hauptargument für eine neue Orgel im zehneckigen Zentralbau war
der ungünstige Standort der 1954 installierten Chororgel. Er
macht einen Kontakt des Organisten zur Gottesdienst feiernden
Gemeinde in der Liturgie unmöglich und verhindert eine
klangliche Einheit von Instrument und singender Gemeinde. Zudem
muss diese Orgel in ihrer Größe und Disposition als
unzulänglich für den gesamten Kirchenraum angesehen werden.
Schon der oben zitierte Chronikbericht zeigt, welche Bedeutung
die Orgel und ihre Klangfülle in der damaligen Pfarrei hatten.
Als dann nach den ersten Überlegungen im Kirchenvorstand alle
Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher im
Weihnachtspfarrbrief 1992 gebeten wurden, ihre Meinung zur
Neuanschaffung einer neuen Orgel für das Dekagon zu äußern,
zeigte sich erneut, welchen hohen Rang das Orgelspiel für die
Kirchenbesucher bei uns hat. Viele sprachen sich in z.T. langen
Stellungnahmen für einen Orgelneubau aus. Nur eine negative
Zuschrift kritisierte die hohen und im Blick auf die Armut in
der Welt nicht zu verantwortenden Kosten. Natürlich war die Notwendigkeit des Orgelbaus auch durch einen offiziellen
Sachvers- tändigen des Erzbistums, Herrn Prof. Möller, geprüft
und festgestellt worden.
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Bestärkt durch diese Reaktionen wurden
die Planungen vorangetrieben und ein langwieriger Prozess in Gang gesetzt.
Es fanden zunächst Ortstermine statt mit Vertretern der dafür
zu-ständigen kirchlichen und staatlichen Stellen.
Für das Erzbistum nahmen an den Vorgesprächen
teil: der Leiter der Hauptabteilung Bauwesen-Denkmalpflege, Herr Erzdiözesankonservator und -baumeister
Rüenauver und der zuständige Referent Albert
Kratzheller, der schon genannte Orgelsachverständige,
der zuständige Vertreter des Landeskonservators
Herr Dr. Goege sowie der Stadtkonservator Herr Dr. Krings und als Vertreter der Kirchengemeinde
der Pfarrer und die stellvertretende Vor-sitzende des Kirchenvorstandes
Frau Annelie Ewald-Bouillon. |
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Diese Gespräche vor Ort dienten dem
Kirchenvorstand zur weiteren Beratung und Beschlussfassung. Am 14. September
1993 beschloss der Kirchenvorstand aufgrund der bisherigen Feststellungen die Beantragung
der offiziellen Vorplanungsgenehmigung für die Anschaffung einer neuen
Orgel beim Erzbistum Köln. Für diese detaillierte Vorplanung
wurde der auch für die sonstigen Arbeiten an der Basilika tätige
Architekt Herbert Queck beauftragt. In vielen kleinen Schritten ging es
dann weiter auf dem Weg zur neuen Orgel. Als nächstes sollte die Prüfung
der Statik für die geplante Orgelaufhängung über dem Eingangsportal
durch das Ingenieurbüro Schwab vorgenommen werden. Denn allen Beteiligten
war klar, dass keine große Orgelempore in den staufischen Zentralbau
eingefügt werden dürfe.
Statische Berechnungen sind aber nur möglich,
wenn vorher Gewichtsangaben vorliegen. Also war es unumgänglich, schon
jetzt durch eine Orgelbaufirma konkrete Vorschläge für eine Orgel
ausarbeiten zu lassen. Der KV bat die Fa. Weimbs aus Hellenthal/Eifel entsprechende
Ideen zu entwickeln. Planungsvorgabe für die Größe war
eine Zahl von 30 Registern. Die äußere Gestalt des Orgelgehäuses
und der Prospekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten. In der
letzten Phase wurden im Rahmen einer künstlerisch schmückenden
Ergänzung Herr Prof. Hillebrand und seine Tochter Frau Hillebrand-Leo
tätig. Dispo-sition und Orgelbautechnik wurden vom Orgelbauer, dem
Orgelsachverständigen und dem Kantor der Basilika Herrn Jürgen von Moog beraten und geplant.
Die schwierige Frage, wie sich die Orgel
am besten in die Architektur der Basilika einfügt, konnte an einem
Modell abgeklärt werden.
Auf dieser Grundlage wurde am 15. September
1997 die Erlaubnis der Denkmalbehörde zum Einbau einer neuen Orgel
erteilt. Die schwierigste Hürde war genommen. In Erwartung dieser
Genehmigung hat der KV bereits am 26. Mai 1997 die notwendige Vollplanungsgenehmigung
beim Erzbistum beantragt, nachdem Herr Architekt Queck am Modell das Ergebnis
der Vorplanung erläutert hatte. Bei dieser Gelegenheit teilte Herr
Queck mit, dass das von ihm geführte Architekturbüro von einem
seiner früheren Mitarbeiter, Herrn Mennicken, übernommen werde.
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Die
hl. Helena, die Gründerin der Basilika.
Antiphonale
aus St. Gereon, 1541
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In seiner Sitzung am 8. September 1998
erteilte der KV den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel an die Orgelbaufirma Weimbs auf der Grundlage
des Kostenvoranschlags vom
5. September 1998. Der Wechsel im Architekturbüro
(es firmiert jetzt als Hofarchitekten Mennicken + Loseck) sowie immer neue
Probleme in der konstruktiven Verwirklichung der Orgelaufhängung führten
zu einer Verzögerung im Projekt. Wie immer steckt der Teufel im Detail...
Anfang des Jahres 2001 konnte das Gerüst
für den Aufbau der Arbeitsbühne aufgestellt werden, und die Arbeiten
für die Tragekonstruktion begannen. Ende März war es dann soweit:
die Orgelbauer hatten freie Bahn, ihr Werk aufzubauen.
Für die Intonation
der Orgel standen die letzten Monate und Wochen vor der Einweihung zur
Verfügung.
Bis jetzt konnte der Leser meinen, das
Geld spiele bei diesem Orgel-Abenteuer keine Rolle. Weit gefehlt! |
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Auch hier gilt: Ohne Moos nix los.
Die Zahlen finden Sie an anderer Stelle.
Erwähnen möchte ich hier die Arbeit des Orgelbauvereins, der
sich bereits 1994 formierte. Ziel seiner Arbeit war es, die notwendigen
Eigenmittel zur Finanzierung des Projektes aufzubringen. Die Hauptarbeit
leistete in unermüdlichem Einsatz der stellvertretende
Vorsitzende
Eugen Bester. Ihm gilt ein besonderer Dank, aber auch all den vielen, die
durch ihre einmaligen oder regelmäßigen Spenden den Bau der
Orgel ermöglicht haben. Dieser Dank gebührt auch dem Förderverein
Romanischer Kirchen für seine großzügige Unterstützung.
Die Namen aller Spenderinnen und Spender wurden ins Goldene Buch der Stifter
für den Wiederaufbau von St. Gereon eingetragen.
Karl-Josef
Daverkausen
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